Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 240 Jahren...

…wurde Wal-Öl gespart.

Ende des 18. Jahrhunderts sollte in Münster endlich eine Straßenbeleuchtung eingeführt werden. Die Frage war: wer bezahlt’s? Einige meinten: die Reichen (Sozis gab’s also schon damals). Andere meinten: City-Maut für auswärtige Besucher. Darauf einigte man sich, zusätzlich zu einer „Kaminsteuer“ pro Schornstein.

Laternenputzer“ füllten nachmittags Walfisch-Öl nach und wechselten die Dochte, abends zündeten sie die Lampen an. Doch mit den ersten Laternen zog auch nächtlicher Vandalismus ein. Schon bald musste das dauernde „Zerschlagen von Laternen aus Bosheit“ zur Abschreckung mit einem halben Jahr Knast bestraft werden.

Die rund 700 Laternen standen ziemlich unregelmäßig: Während z.B. Königsstraße und Bogenstraße hell erleuchtet waren, blieb es an der Rothenburg und Klemensstraße weiterhin finster. Und dann kam die Ölkrise von 1790: Durch Lieferschwierigkeiten beim Wal-Öl in holländischen Häfen, ging der Ölpreis durch die Decke.

Um zu sparen, wo es ging, blieben die Laternen von April bis Mitte September aus, ebenso in allen Vollmondnächten. Schlecht für die Lampenreiniger, die während der Dunkelphase nichts verdienten. 1850 brachten Gaslaternen endlich die Alternative. Nun konnte ein einziger Bediensteter in der „Gas-Anstalt“ an der Hafenstraße alle Laternen in Münster gleichzeitig leuchten lassen.

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