Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 22 Jahren...

…traten Schwarze Sheriffs auf.

1998 führte noch ein Fußgängertunnel vom Hbf zur Windthorststraße. Die Unterführung war ein Angstraum: Dealer, Punks und Penner lagerten dort bevorzugt, es roch nach Pisse, Schnaps und Ärger. Passanten durchquerten die Passage fluchtartig, das Nachsehen hatten die Pächter der unterirdischen Ladenzeile.

In ihrer Not wandten sich die Geschäftsleute an die Polizei. Die wiegelte ab: Es gäbe kein Sicherheitsproblem, das sei durch Zahlen und Statistiken eindeutig belegt. Das sahen die potenziellen Kunden der kleinen Läden am Bahnhof offenbar anders – sie blieben weg. Die Inhaber wünschten sich mehr Polizeipräsenz, doch Polizeipräsident Hubert Wimber hielt das für unnötig. Zudem war das „Lagern in der Innenstadt“ – früher eine Ordnungswidrigkeit – seit 1995 legal.

In München trugen die Privatsheriffs sogar scharfe Revolver

Die Geschäftsbetreiber im Bahnhofsumfeld reagierten auf ihre Weise: Sie schlossen sich zusammen und engagierten einen privaten Wachdienst. Plötzlich patrouillierten „Schwarze Sheriffs“ um den Bahnhof. In Großstädten wie z.B. München genossen solche Securitys einen wilden Ruf.

Der Polizeichef war beleidigt und erklärte, er begrüße den Wachdienst „ausdrücklich nicht“. Die Lokalpresse schrieb über „umstrittene Privat-Sheriffs“, die Bahnhofsszene erwartete faschistische Schläger.

Nach drei Monaten war der Einsatz wieder Geschichte – Wimber hatte die Lektion verstanden und verstärkte die Polizeistreifen…

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