In dieser Woche vor 1 Jahr: Gauner oder Sternsinger...?

Münster ist bei Einbrechern sehr beliebt. Manche Stadtviertel werden immer wieder von Einbruchsserien heimgesucht, an vielen Haustüren von Einfamilienhäusern finden sich Spuren von Einbruchsversuchen.

Kurz vor Ende des Jahres verständigte ein Rentner aus dem Südviertel die Polizei, weil er sogenannte „Gaunerzinken“ entdeckt haben wollte. Mit diesen Kreidezeichen markieren kriminelle Späher traditionell für ihre Komplizen potenziell geeignete Objekte.

Das Zeichen bedeutet: „Vorsicht, bissiger Hund“. Oder waren es nur Caspar, Melchior und Balthasar?

Münsters Polizei veröffentlichte darauf eine humorige Pressemeldung, in der es hieß, der Mann habe den Sternsinger-Segen 20*C+M+B*17 wohl für eine Gaunermarkierung gehalten. Ganz Münster lachte über den Vorfall und sogar das bekannte Satiremagazin „Der Postillon“ beömmelte sich über den Fall und schrieb ironisch, C+M+B hieße in Wahrheit „Cleptis Mansio Beneficiarum = Dieben als Wohltat geltendes Haus“ und diene Einbrechern als Hinweis, weshalb man diese Kritzeleien neben seiner Haustür am besten umgehend entfernen sollte.

Doch der Rentner ging in die Offensive und beklagte sich in der Presse darüber, dass Münsters inkompetente Polizei ihn „als Depp vorgeführt“ habe, statt sich ernsthaft um die Sache zu kümmern. Es seien nämlich gar keine Sternsinger unterwegs gewesen, was die Pfarre bestätigte und er könne sehr wohl den Sternsinger-Segen von Gaunerzinken unterscheiden.

Jährlich werden in Münster etwa 40 Mal Gaunerzeichen bei der Polizei gemeldet.

Autor: Carsten Krystofiak

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