Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 28 Jahren...

…versagte das Publikum.

1981 schlossen sich Münsters Stadtmagazine Knipperdolling und Ultimo zum „Stadtblatt“ zusammen. Das ca. 60 Seiten starke Heft trat für die damalige Zeit professionell gestaltet auf und war politisch nicht mehr ganz so verkniffen dogmatisch wie der Vorgänger Knipperdolling. Neben links-alternativer Politik berichtete man nun auch über Kultur und sogar Sport.

Doch durch weitere Titel wie Ultimo und GIG, die zudem kostenlos waren, erwuchs starker Wettbewerbsdruck. Dann erhöhte die Stadtblatt-Redaktion den Verkaufspreis des Heftes auch noch auf 3,- D-Mark. Dadurch sank die Auflage dramatisch und die Werbekunden sprangen ab. 1994 war Schluss.

In der letzten Ausgabe hielten die Macher den Lesern eine ganzseitige Suada: Die Münsteraner seien zu blöd gewesen, das Stadtblatt zu ehren, nun hätten sie keines mehr, weil sie es auch nicht verdient hätten. Überschrift: „Das Publikum hat versagt!“

Schämt Euch, Münsteraner! Ihr habt’s vergeigt!

Im weiteren Teil vergossen Lokalprominente bittere Tränen und weinten dem Blatt nach, z.B. Ruprecht Polenz, Bürgermeisterin Marion Tüns (SPD) und sogar der oft durch den Kakao gezogene OB Jörg „Twenny“ Twenhöven. Nur Götz Alsmann kommentierte zynisch: „Stadtblatt weg – man wird’s bald spüren, von Gievenbeck bis Amelsbüren. Wie wünschte ich, dass es noch bliebe, oh Stadtblatt, meine alte Liebe.“ Die hämische Ironie wurde wohl nicht verstanden.

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