In dieser Woche vor 62 Jahren...

… planten die Maisheiligen den Coup.

Ein Sprakeler Kaufmann hatte im Wirtschaftsrecht eine Lücke entdeckt, die ihn reich machen sollte: Er wollte elftausend Tonnen Mais importieren, angeblich an die Caritas spenden, aber tatsächlich steuerfrei unter der Hand verkaufen. Gewinn: 1,9 Mio. D-Mark.

Der Skandal hätte beinahe den Oberbürgermeister politisch zerhäckselt…

Für den Deal brauchte er Komplizen. Er fand: Eine Bardame, einen Pater aus dem Sent -maringer Kloster, einen Domkapitular und – den Oberbürgermeister. Doch die Hauptrolle übernahm ein abgerissener Hausierer, der als Hochstapler Bankkredit und Importgenehmigung besorgen sollte.

Durch eine Panne fliegt die Bande auf. Das Magazin „Stern“ berichtet groß über den Skandal. Die Beteiligten haben im Volksmund bald den Spitznamen „die Maisheiligen“ weg. In Münster berichtet keine Zeitung: Die Affäre wird vollständig totgeschwiegen und die Stern-Ausgabe verschwindet sogar aus der Uni-Bibliothek.

Doch Oberbürgermeister Busso Peus – dem man zugutehält, dass er nur aus Naivität in die Sache verstrickt wurde – verklagt das Hamburger Blatt. Da Münsters Paolbürger in Hamburg nichts zu sagen haben, verliert er vor Gericht. Nur durch die Prozessberichterstattung kommen in Münster überhaupt Details ans Licht.

Autor: Carsten Krystofiak

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