Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 149 Jahren…

… kam es zum Progrom.

Im Frühjahr 1873 wurde Elisabeth Schütte bei Enninger ermordet aufgefunden. Amtmann und Gendarmen tun sich schwer mit den Ermittlungen, sie haben damals auch nicht viele kriminalistische Möglichkeiten. Doch eins steht für sie fest: „Solche Täter existieren hier nicht!“ – es muss also ein Fremder gewesen sein.

Da meldet sich im Sommer der Jude Herz Spiegel als Zeuge: Er habe in Tatnacht Schreie der Frau gehört. Doch die Vernehmungsbeamten drehen den Spieß um und plötzlich ist Spiegel nicht mehr Zeuge, sondern Hauptverdächtiger. („Aha! Sie waren also zur Mordzeit am Tatort!“…)

Die Staatsanwaltschaft Münster entlastet Spiegel und wischt die angeblichen Indizien vom Tisch. Der Hausierer wird freigesprochen, da „mehr begründete Umstände“ gegen als für ihn als Täter sprechen. Doch da ist es zu spät:

Keine Postkarten-Idylle…

Am Vorabend des Namentages der Heiligen Elisabeth toben Ennigers Bewohner randalierend durch den Ort, hetzen Juden durch die Straßen und demolieren die Synagoge. Der Ortsvorsteher behauptet anschließend, das Ganze sein nur ein „Scherz“ gewesen und die Schüsse auf Spiegels Haus seien nur „Salutschüsse“ gewesen.

Die Übergriffe wiederholen und steigern sich. 1890 zieht die letzte jüdische Familie aus Enninger weg. Der Mord an Elisabeth Schütte wurde nie aufgeklärt.

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