Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 294 Jahren...

…wurde Rosenstengel geköpft.

Catharina Margaretha Lincks wuchs in ärmsten Verhältnissen auf, erhielt aber in einer caritativen Stiftung eine Schulbildung. Sie absolvierte auch eine handwerkliche Lehre und ging danach auf Wanderschaft. Dabei trat sie erstmals in Männerkleidung auf und verführte junge Mädchen.

Dann wurde sie als Mann verkleidet Soldat. Oft flog sie auf, meistens beim Pinkeln. Dann desertierte sie und heuerte bei der nächsten Truppe an. Kurzzeitig schloss sie sich auch den (immer noch existierenden) Wiedertäufern an und nannte sich „Anastasius Lagrantinus Rosenstengel“.

Nachdem die Verwandtschaft ihrer Freundin in Halberstadt sie erneut als Frau enttarnt hatte, flüchtete das Pärchen nach Münster. Hier fanden sie im Jesuitenkolleg Unterschlupf und heirateten als Mann und Frau in der Petrikirche.

Frauen in Soldatenkleidung gab es damals einige…

Bei der heimlichen Rückkehr nach Halberstadt kam es zu einem Streit mit der misstrauischen Schwiegermutter der Ehepartnerin. In der Rangelei verlor Lincks eine Penisattrappe – die Maskerade war offensichtlich. Die Schwiegermutter erstattete Anzeige.

Das Gericht wusste mit dem ungewöhnlichen Fall nicht viel anzufangen und verhängte zunächst eine milde Strafe wegen des Erschleichens der kirchlichen Ehesakramente in Münster. König Friedrich Wilhelm I. wandelte den Richterspruch in ein Todesurteil um. Lincks wurde wegen „Sodomie mit einem Weybe“ auf dem Marktplatz von Halberstadt enthauptet.

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