Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 104 Jahren…

…war kurz Revolution.

Der erste Weltkrieg endete im innerpolitischen Chaos. Um eine rote Revolution nach Sowjetvorbild in Schwung zu bringen, schickte die Kommunistische Partei geschulte Berufsrevolutionäre in die Provinz.

Auch nach Münster kamen Profi-Revoluzzer aus Berlin mit dem Zug, um sich an die Spitze der meuternden Soldaten der Aegidii-Kaserne zu setzen. Der Generalstab ließ u.a. an der Steinfurter Straße Maschinengewehre aufstellen, doch die Truppe verweigerte schon den Schießbefehl.

Währenddessen wogten die angeheizten Spartakisten unter roten Fahnen durch die Stadt und öffneten das Gefängnis an der Gartenstraße. Viele Kriminelle erklärten sich spontan zu politischen Gefangenen, um ihre Befreiung zum Untertauchen zu nutzen.

Die Warnung war ernstgemeint!

Angespornt durch Schnaps forderten die Massen ein Opfer: Der nächstbeste General sollte kurzerhand aufgehängt werden. Doch sie fanden keinen – die Offiziere waren wohlweislich entwischt und hielten sich in Privatwohnungen versteckt.

Ein kaltblütiger Oberst handelte: Er gewann einige national gesinnte Sozialdemokraten für den Plan, selbst einen Arbeiter- und Soldatenrat auszurufen, um die Lage zu beruhigen. Dann ließ er die Räte überrumpeln und festnehmen. Damit war die Revolution in Münster ohne einen Gewehrschuss vorbei. Das Bürgertum atmete hörbar auf.

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