Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 17 Jahren…

…wurde der Bunker geöffnet.

Ende November lieferte Tief Thorsten einen halben Meter nassen, schweren Schnee ins Münsterland. Die Folgen: Bäume und Strommasten brachen zusammen. In Münsters Hauptbahnhof kamen über 250 Züge mit stundenlanger Verspätung und mehr als 30 überhaupt nicht an. Mehrere Dutzend Reisende waren in Münster gestrandet und wussten nicht, wohin. Auch viele Pendler kamen nicht mehr nach Hause, weil ihre Wohnorte von der Außenwelt abgeschnitten waren.

Hinter der Tür ging’s rein (Foto: Martha Kift)

Deshalb wurde zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges der Atomschutzbunker im Bahnhof als Notunterkunft geöffnet. Der Einstieg befand sich hinter einer kolossalen Stahltür im nördlichen Fußgängertunnel. Um ins Innere zu gelangen, musste man zunächst durch eine Schleuse. Erst wenn die erste Tür geschlossen war, ließ sich die zweite öffnen. Je 50 Personen konnten die Schleuse betreten.

Hinter der zweiten Tür fanden sich die Reisenden in einem riesigen L-förmigen Komplex wieder. In langen Reihen standen orangefarbene Schalensitze aus den Siebziger Jahren. Auf den rund 2.500 qm hinter drei Meter dicken Stahlbetonwänden und -decken konnten zweitausend Personen Schutz suchen. Das Rote Kreuz versorgte die Gestrandeten mit Decken und heißen Getränken. 14 Tage hätte der Bahnhofsbunker mit eigenen Aggregaten und vier Wasserbrunnen als autarkes System bestehen können.

Im Zuge des Hbf-Neubaus wurde der Bunker zurückgebaut. Ob das schlau war?

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