Page 4 - pixelbook KW03/2025
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4 kinokritiken (mehr unter www.nadann.de/rubriken/kino/filmsuche/)
na dann... 03/25
     We Live In Time
(sirk) Wieder einmal etwas füŕs Herz. Almut fährt To- bias eines Nachts mit dem Auto um. Sie folgt ihm ins Krankenhaus, bleibt bis nach der Erstbehandlung. Tobias ist entzückt. Almut, eine erfolgreiche Köchin mit eigenem Restaurant, ist auch ganz angetan vom charmanten und frisch geschiedenen Vertrieb-
ler für Frühstücksproduk- te. Das Drehbuch von Nick Payne will es so. Almut, die eigentlich keine Kin- der möchte, wird schwan- ger. Zwischen Restaurant- betrieb, Vertriebler-Job und Landhaus wird aber auch das Elternsein mühe- los gewuppt, bis, ja bis ei- ne Krebsdiagnose alles auf den Kopf stellt. Weil Autor Nick Payne zusammen mit Regisseur John Crowley (Brookly – Eine Liebe zwi- schen zwei Welten, Boy A) die Geschichte nicht linear sondern fragmentarisch in TikTok-Häppchen erzählt, wissen wir, wie es ausgeht. Realistisch? Nope! Aber hey, hier stimmt wenigs- tens die Chemie zwischen Florence Pugh und Andrew Garfield.
108' Cineplex
September 5 - The
Day Terror Went Live
(jonny) München 1972: Deutschland will Hitlers Propagandaspiele von 1936 endgültig hinter sich las- sen und präsentiert sich als liberaler und weltoffe- ner Gastgeber der Olympi- schen Sommerspiele. Doch das friedliche und unbe- schwerte Miteinander fin- det ein jähes Ende als pa- lästinensische Terroristen in der Nacht zum zehnten Wettkampftag elf Mitglie- der der israelischen Mann- schaft als Geiseln nehmen. Als Zuschauer erleben wir die dramatischen Ereignis- se aus der Perspektive der Sportredaktion von ABC TV, die von ihrer beengten, klaustrophobischen Gale- rie aus die alleinige Hoheit über die Live-Übertragung des Geschehens in die Welt hat. Ein packender Medienthriller, der span- nende technische Einbli- cke liefert und die Verant- wortung der Medien kri- tisch beleuchtet. Großar- tig gespielt und absolut se- henswert.
91' Cineplex
Veni Vidi Vici
(sirk) "Es gibt Menschen, für die es keine Grenzen gibt" wird irgendwann
im Film geäußert. War-
um setzen wir dem kein Ende? Haben wir es nicht selbst in der Hand? Das fragt sich das Regie-Duo Julia Niemann und Dani- el Hoesl und stellt die Fa- milie Maynard vor. Inves- tor Amon Maynard ist mit allem gesegnet ist, wo- von Menschen träumen: Reichtum, Erfolg, Attrak- tivität, Potenz, Familien- glück. So die äußere Fas- sade. Weil so viel Perfekti- on auf Dauer unerträglich ist, braucht Maynard ei- nen Ausgleich, etwas mehr Nervenkitzel in seinem Le- ben: Er geht auf die Jagd – nach Menschen. Diese bit- terböse Gesellschaftssati- re wird aus der Perspek- tive von Maynard-Tochter Paula (Olivia Goschler) er- zählt, aus dem Off. Aber weil auch bei ihr Moral und Werte irgendwann ab- handen gekommen sind, bleibt die Erzählung im Vergleich zu Genreperlen wie "Triangle of Sadness" oder "The Menu" ziemlich farblos.
86' Cinema
Das Mädchen mit
der Nadel
(sirk) Auf nach Kopenha- gen! Tolle Stadt. Aber noch nicht im Jahr 1919. Nach dem ersten Weltkrieg ist das Leid auch in Däne- mark groß. Vor allem für alleinstehende, schwan- gere Frauen. So wie Karo- line. Als die junge Näherin ihr Kind austrägt, muss sie dieses zur Adaption freige- ben. Dagmar (furchteinflö- ßend: Trine Dyrholm), eine neue Bekannte, verspricht ihr, gute Eltern zu finden in ihrer heimlich betriebe- nen Adoptionsagentur. Ba- sierend auf einer wahren (Serienmörderinnen-)Ge- schichte nähert Regisseur Magnus von Horn (Baujahr 1983) sich der Thriller-The- matik aus der Opferper- spektive. Dazu taucht er seine Gesellschaftskritik
in ein trostloses Schwarz- Weiß. Ein für Cineasten und Kunstfilminteressierte faszinierendes Stück Kino, junge oder ältere Eltern, sensible oder depressive Menschen wählen lieber einen anderen Film.
123' Cinema















































































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