Page 4 - pixelbook KW07/2025
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4 kinokritiken (mehr unter www.nadann.de/rubriken/kino/filmsuche/)
na dann... 07/25
     Soundtrack to a
Coup d'Etat
(mex) Zeitenwende ist im- mer. Auch im Milieu des scheinbar auf ewig ze- mentierten Kalten Krieges. Afrikanische Staaten for- dern Selbstständigkeit, der postkoloniale Widerstand ist ganz oben auf der Agen- da der späten 50er Jahre. Parallel dazu gewinnt die Bürgerrechtsbewegung in den USA an Bedeutung, begleitet von Strömungen im Jazz, in der vornehmlich schwarze Künstler*innen wie Abbey Lincoln, Max Roach oder Ornette Cole- man sich gesellschaftlich emanzipieren und politi- sches Selbstbewusstsein leben. Furios verbindet der belgische Regisseur Johan Grimonprez diese revolu- tionären Entwicklungen. Dabei fokussiert er sich auf die kongolesische Un- abhängigkeitsbewegung und deren Unterdrückung durch Machenschaften der CIA, Belgiens und der UN, die letztendlich zur Erschießung Patrice Lumumbas, des ers- ten Ministerpräsidenten des unabhängigen Kongos führten. Ein absolut mitrei- ßendes Must-See und ein würdiger Oscarkandidat.
150' Cinema
Companion - die per-
fekte Begleitung
(jonny) Iris fährt mit ihrem Freund Josh übers Wochen- ende in die Villa des rus- sischen Millionärs Sergey, dem aktuellen Sugar-Daddy von Joshs bester Freundin. Doch schon bald beschleicht einen beim Zuschauen ein mulmiges Gefühl, wenn man die vielen kleinen, allzu beiläufigen Gefälligkeiten beobachtet. Und dieser Verdacht bestätigt sich recht bald als Iris herausfindet, dass sie nicht Joshs liebende Freundin ist, sondern eine technisch hoch entwickelte Sexpuppe welcher mit Hilfe der eingepflanzten Gefühle für ihren Besitzer ein "freier Wille" vorgegaukelt wird. Der Rachefeldzug auf den sich Iris nun begibt ist brutal und blutig, mit überraschen- den Wendungen und viel schwarzem Humor. Zusam- men mit einer fantastischen Sophie Thatcher, der es im- mer wieder gelingt ihrem Roboter-Ich authentische Emotionen einzuhauchen, ist "Companion" ein mehr als gelungener Sci-Fi-Hor- rorfilm!
98' Cineplex
Maria
(sirk) Die letzten Tage "der Callas" im September 1977 in Paris. Nach "Jackie“
mit Natalie Portman und "Spencer" mit Kristen Stewart als Lady Di setzt der chilenische Regisseur Pablo Larrain einer weite- ren berühmten Frau des 20sten Jahrhunderts ein filmisches Denkmal. Die schwierige Gratwanderung einer Biographie zwischen (glaubhaftem) Innenle- ben und nachweisbaren Lebensstationen seiner Figur scheitert hier, im Ge- gensatz zu den vorherigen Teilen, an den technischen Spielereien des Regisseurs sowie am Over-Acting von Angelina Jolie. Mit Sätzen wie "Mein Leben ist die Oper. Es gibt keine Ver- nunft in der Oper", über- trieben bebender Oberlip- pe in Puccinis "Vissi d´arte" und tablettenbedingten Halluzinationen mit einem (fiktiven) Reporter (Kodi Smit-McPhee) berührt dieses Biopic zu keiner Se- kunde. Abgesehen von den eingestreuten Originalauf- nahmen und dem Lächeln der Original-Callas in den letzten Film-Sekunden.
124' Schloßtheater
Könige des Sommers
(sirk) Die französische Landjugend feiert. Und Totone (Clément Faveau) ist ganz vorne mit dabei. Der 18-jährige ist Sohn eines alleinerziehenden Vaters und Aufpasser seiner jüngeren Schwes- ter Claire. Als eine Party wieder einmal kräftig aus dem Ruder läuft, verun- glückt sein Vater mit dem Auto und Totone steht plötzlich samt Schwester alleine da. Die Nachbarn versuchen zu helfen, vor allem seine beiden Freun- de stehen ihm zu Seite. Durch einen Aushilfsjob
in einer Molkerei erfährt er, wieviel mit gutem Käse zu verdienen ist und be- schließt, mit einem alten Kupferkessel, den er noch nicht verkauft hat, selbst welchen herzustellen. Dieser sommerleichten Coming-of-Age-Komödie gelingt der Spagat zwi- schen Tragik und Komik, auch weil Regisseurin Louise Courvoisier auf Klischees und überflüssige Dialoge verzichtet und sich nie über ihre Figuren lustig macht. Ein tolles Filmdebüt.
93' Cinema

















































































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