Page 8 - pixelbook KW11/2025
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8 kinokritiken (mehr unter www.nadann.de/rubriken/kino/filmsuche/)
na dann... 11/25
Flight Risk
(sirk) Ein Gefangenen- transport mit Tücken. Große Filme (Assault
– Anschlag bei Nacht,
Con Air, etc.) sind daraus entstanden. Dieser gehört NICHT in die Kategorie. Streng genommen ist Win- ston, um den es hier geht, auch kein Gefangener. Obwohl er Handschellen trägt. Winston (Topher Grace) soll gegen einen Mafiaboss aussagen. Als Kronzeuge. Und was er und seine taffe Begleite- rin, US Marshal Madolyn (Michelle Dockery), nicht wissen ist, dass ihr Pilot (Mark Wahlberg) nicht der charmante Hinterwäldler ist, der er vorgibt zu sein. Mit wenigen Ausnahmen findet der Thrill aus- schließlich in einer Cess- na-Flugzeugkabine statt. Und die dünne Story lebt von einigen nett platzier- ten Twists und einem Mark Wahlberg mit unglaubli- chen Steh-auf-Qualitäten. Kurzweiliges Kino ohne Nachwirkungen.
93' Cineplex
Wunderschöner
(bouda) Karoline Herfurth beweist mit diesem Film erneut eine im deutschen Kino selten anzutreffende Qualität. Mit ihrer unnach- ahmlichen, warmherzigen Komik erzählt sie von sehr ernsthaften Themen, von Bodyshaming, Diskrimi- nierung, Missbrauch, von Verrat und weiblicher Soli- darität und der immer le- bendigen Sehnsucht nach dem Glück. Mit einem hervorragenden Ensemble von Darstellerinnen und Darstellern, die sich alle in den Dienst der guten und so schweren Sache stellen, gleichzeitig bestens zu unterhalten und nach- denklich zu machen. Der Kinofilm „Wunderschöner“ erhebt nie moralisch
den Zeigefinger, sondern schaut einfach genau da- hin, wo es weht tut.
132' Cineplex
Maria
(sirk) Die letzten Tage "der Callas" im September 1977 in Paris. Nach "Jackie“
mit Natalie Portman und "Spencer" mit Kristen Stewart als Lady Di setzt der chilenische Regisseur Pablo Larrain einer weite- ren berühmten Frau des 20sten Jahrhunderts ein filmisches Denkmal. Die schwierige Gratwanderung einer Biographie zwischen (glaubhaftem) Innenle- ben und nachweisbaren Lebensstationen seiner Figur scheitert hier, im Ge- gensatz zu den vorherigen Teilen, an den technischen Spielereien des Regisseurs sowie am Over-Acting von Angelina Jolie. Mit Sätzen wie "Mein Leben ist die Oper. Es gibt keine Ver- nunft in der Oper", über- trieben bebender Oberlip- pe in Puccinis "Vissi d´arte" und tablettenbedingten Halluzinationen mit einem (fiktiven) Reporter (Kodi Smit-McPhee) berührt dieses Biopic zu keiner Se- kunde. Abgesehen von den eingestreuten Originalauf- nahmen und dem Lächeln der Original-Callas in den letzten Film-Sekunden.
124' Schloßtheater
Hundreds of Beavers
(sirk) Was für ein Spaß! Hat man sich an das s/w- Bild und an den seltsam stummen Jean Kayak,
der da durch die Schnee- landschaft des Mittleren Westens stapft gewöhnt, treffen Tragik auf Komik, Absurdität auf harten Realismus und Kreativität auf (Stummfilm-)Technik des jungen 20. Jahrhun- derts. Mittendrin ist ein Obstbauer, der durch einen Schicksalsschlag zum Pelz- jäger wird. Nachdem er
im Suff seine Farm abge- fackelt hat und im harten Winter unter einer ge- schlossenen Schneedecke erwacht, ist Jean Kayaks (Co-Autor Ryland Brickson Cole Tews) vermeintliche Beute, eine Kolonie von arbeitsamen Bibern, allerdings cleverer als vermutet. Das Katz-und- Maus-Spiel kann beginnen. Wer Lust auf Menschen in Tierkostümen, unzählige Tollpatsch-Gags und eine große Portion Anarchie hat, sollte sich diesen Spaß nicht entgehen lassen. Ab 14 Jahren empfehlenswert.
109' Cinema

