Page 4 - pixelbook KW12/2025
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4 kinokritiken (mehr unter www.nadann.de/rubriken/kino/filmsuche/)
na dann... 12/25
     The Critic
(sirk) Jimmy Erskine (Ian McKellen, Gandalf in "Herr der Ringe") ist gnadenlo- ser Theaterkritiker einer Londoner Tageszeitung. Seine Rezensionen können Karrieren erschaffen – oder sie zerstören, wie die
von der beliebten Thea- terschauspielerin Nina Land (Gemma Arterton) beispielsweise. Als sein Verleger stirbt und dessen Sohn (Mark Strong) das Ruder übernimmt, muss Erskine um seine Anstel- lung und damit um seinen exquisiten Lebensstandard fürchten. Ein durchtriebe- nes Komplott soll diese Ge- fahr aus der Welt schaffen – doch dazu benötigt er ausgerechnet Theaterstar Nina Land. London in den 1930ern, als Homosexuali- tät noch unter Strafe stand und Tageszeitungen Karri- eren vernichten konnten, riskiert ein Theaterkritiker alles. Wäre doch das Dreh- buch nur ansatzweise so geschliffen wie Ian McKel- lens vielschichtiges Spiel ...
101' Schloßtheater
Köln 75
(mex) 31,5 x 31,5. Ein kon- zentrierter Mann am Kla- vier. Monochrom auf blü- tenweißem Hintergrund. So in etwa sieht es aus, das Cover der Schallplatte, die als „The Köln Concert“ Musikgeschichte geschrie- ben hat. Über 4 Millionen verkaufte Exemplare. Keith Jarrett natürlich. Wer die Scheibe noch nie gesehen hat, zeige bitte jetzt auf. Ok, aber wer weiß schon von den unglaublichen Umständen, unter denen dieses Konzert einst zu- stande kam? In den wilden Siebzigern. Na klar, die Frau, die das Ding veran- staltet hat: die sagenhafte Vera Brandes, damals gerade 18, enthusiastisch, unwiderstehlich und unfassbar energiegela- den. Die hat es jetzt dem israelischen Filmemacher Ido Fluk erzählt und der wiederum bringt diese starke Geschichte nun glücklicherweise ins Kino. Nach 50 Jahren alles aus der Backstage-Perspektive. Und noch viel mehr. Ein toller Musikfilm und eine herrliche Reise in die wun- derbare Vergangenheit.
112' Schloßtheater
Für immer hier
(bouda) Der Film „Für im- mer hier“ von Walter Salles wurde gerade mit dem Oscar als bester internati- onaler Film ausgezeichnet. Er erzählt die Geschichte der Wunden, die die bra- silianische Militärdiktatur hinterlassen hat. Der Film ist kein reines Trauerstück, sondern eine Hommage an das Trotzdem. Kein Film, der die Schrecken der längsten Militärdiktatur Südamerikas ausbuchsta- biert, sondern einer, der sie im Kontrast zur Leben- digkeit einer Familie, zum Mut, zum Durchhaltever- mögen und zur Kraft einer Frau spürbar macht. Ein leises, einfühlsames, liebe- volles und wunderschönes Familiendrama.
136' Cinema
Ein Tag ohne Frauen
(jonny) Island gilt als
das Land mit der besten Gleichstellung zwischen Männern und Frauen,
und das liegt wohl auch
an einem besonderen Streiktag, zu dem sich
vor 50 Jahren 90 Prozent der isländischen Frauen zusammenschlossen. An jenem Herbstmorgen legten sie kollektiv ihre Arbeit nieder und brachten das Land zum Stillstand: Das Telefonsystem brach zusammen, Theater und Schulen blieben geschlos- sen, Zeitungen erschienen nicht und Flüge mussten gestrichen werden. Pamela Hogan und Hrafnhildur Gunnarsdóttir haben für ihren Dokumentarfilm die nur spärlich vorhandenen Originalaufnahmen mit In- terviews und Animationen ergänzt. Entstanden ist ein sehr unterhaltsamer und humorvoller Film, der zeigt wie große Veränderungen im Kollektiv erstritten wer- den können.
74' Schloßtheater
















































































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