Page 4 - pixelbook KW19/2025
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4 kinokritiken (mehr unter www.nadann.de/rubriken/kino/filmsuche/)
na dann... 19/25
Die Legende von
Ochi
( jonny) Yuri wohnt mit ih- rem Vater Maxim auf einer abgelebenen Insel. Neben den Menschen leben hier auch die Ochis, kleine blaue Wesen mit spitzen Ohren die von den Men- schen gefürchtet werden. Maxim zieht regelmäßig in den Wald um Jagd auf die Ochis zu machen, doch als Yuri ein verletztes Ochi findet und beschließt, es zu seinen Artgenossen zu- rückzubringen beginnt sie die Verhaltensweisen ihrer Spezies zu überdenken. Mit seinem Spielfilmdebüt liefert Isaiah Saxon einen wunderschönen, wenn auch nicht revolutionären Film der Themen wie Gewalt, Naturschutz und Fremdenhass familien- gerecht aufgreift. Trotz oder gerade wegen des geringen Budgets überzeu- gen die handgemachten Effekte, die in Kombination mit wenig Action und toller Musik eine magische Atmosphäre erzeugen, die über die eine oder andere erzählerische Schwäche hinwegtröstet.
97' Cineplex
Der Meister und
Magarita
(mex) Welch wildes Ding. Aber klar, Augen auf bei
der Literaturvorlage. Filme- macher Michael Lockshin stürzt sich leidenschaftlich auf das epochale, aus allen Nähten platzende Werk des Michail Bulgakow. Moskau in den 30er Jahren, das Stalin-Regime gestaltet die Wirklichkeit und so kommt es, dass ein junger Autor, später als Meister die Handlung mitbestimmend, jegliche Arbeitsgrundlage zu verlieren scheint. Sein Stück „Pontius Pilatus“ wird abgesetzt und kurz darauf folgt der Ausschluss aus dem Schriftstellerver- band. Nun tritt ein Meister einer ganz anderen Kate- gorie in sein Leben, den wir Zuschauende zuvor schon als Teufel identifizieren konnten. Oder irren wir und diese mephistophelische Erscheinung ist bereits die Ausgeburt der Fantasie un- seres Autors? Unverfilmbar oder nicht, Lockshin feiert mit rücksichtsloser Inten- sität dieses apokalyptische Werk und beschert uns ein eindrucksvolles cineasti- sches Abenteuer.
157' Schloßtheater
Thunderbolts*
( jonny) Yelena Belova,
die Schwester der Avengers-Heldin Black Widow, erledigt für die Organisation der Ex-CIA- Chefin Valentina Allegra de Fontaine die Drecksar- beit. Ihren tristen Alltag ertränkt sie abends im Alkohol und verbringt ihre freien Minuten allein am Handy. Auch wegen ihrer schweren Depressionen will sie eigentlich aus
dem Job aussteigen, doch stattdessen wird sie von Valentina in eine abgelege- ne Einrichtung gelockt, wo sie auf eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen trifft. Eigentlich sollen sie sich dort gegenseitig elimi- nieren, doch stattdessen raufen sich die Antihelden zusammen und machen Jagd auf ihre ehemalige Auftraggeberin. So ent- stehen die Thunderbolts, die tatsächlich frischen Wind in die Marvel-Welt bringen. Hier wird zur Ab- wechslung mal Wert auf Charakterentwicklung und Story gelegt, während die Actioneinlagen gut, aber dosiert eingesetzt werden. Eine echte Überraschung!
127' cineplex
Muxmäuschenstill X
(sirk) Als er 2004 mit sei- nem Low-Budget-Projekt (angeblich 40.000 Euro) Festivalbesucher und Kriti- ker*innen gleichermaßen begeisterte und später mehr als dreihunderttau- send Kinotickets für sein Projekt Muxmäuschenstill verkaufen konnte, hätte Jan Henrik Stahlberg (damals Drehbuch und Hauptdarsteller) nie damit gerechnet, dass es über 20 Jahre später eine Fortset- zung von Mux und seiner Überzeugungsarbeit geben würde – geschweige denn geben müsse. Aber sein "Manifest des Muxismus", das angeblich in den Zei- ten seines Wachskomas bis heute entstanden ist, soll unter das Volk. Am besten "zu denen, die nichts mehr zu verlieren haben, denn der Widerstand ging im- mer von denen da unten aus." Also, einmal mehr klassistische Ressenti- ments, Wutbürgerparolen, Stimmen aus dem Off, ranschmeißerische Gags. Nein, nicht "in jedem von uns steckt ein Mux", Herr Stahlberg!
104' Cinema

