Page 11 - die neue nadann KW 31/2025
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na dann... 31/25
kinokritiken 11
Kein Land für Nie- mand - Abschottung eines Einwande- rungslandes
(sirk) Der Filmtitel soll pro- vozieren, aufrütteln, wie die Dokumentation selbst. Und das ist gut so, denn es geht in den lehrreichen knapp 2 Stunden um die wichtigsten Themen des 21. Jahrhun- derts (neben dem Klima- wandel): Flucht und Migra- tion. Und eben mit den da- mit verbundenen Prob- lemen. Lösungen gibt es kaum, werden auch kaum benannt. Die Doku fängt
zu Beginn bewegende Bil- der von den europ. Außen- grenzen ein, Maximilian Ah- rens und Maik Lüdemann interviewen Überleben-
de, die trotz tödlicher Risi- ken den Weg nach Deutsch- land gefunden haben und lassen Aktivist*innen, Wis- senschaftler*innen und Pu- blizist*innen zu Wort kom- men, die den menschenver- achtenden Status Quo in der Debatte und den damit verbundenen Rechtsruck in Deutschland in Frage stel- len. Lehrende, wenn Ihr das lest: Diese Doku gehört in jeden Unterricht!
107' Cinema
# SchwarzeSchafe
(sirk) Die Fortsetzung der Komödie "Schwarze Scha- fe" aus dem Jahr 2007 setzt konsequent auf Alt- bewährtes: gleicher Regis- seur, vertraute (episodi- sche) Erzählform, lose mit- einander verwobene Ber- liner-Alltagsgeschichten und ein Ensemble, das das Publikum liebgewonnen (Jella Haase, Freddy Lau) hat. Doch selbst mit die- sen Konstanten beweist Oliver Rihs Film aus dem Jahr 2025, dass ein aufge- wärmtes Konzept nicht im- mer die gleiche Zündkraft besitzt. Vor allem, wenn die Liebe zu den Figuren zu Gunsten eines neuen er- zählerischen Schwerpunk- tes, nennen wir es eine "Climate Change Comedy", verloren geht. Witze flach, Handlung undurchsich- tig, eigentlich als Serie ge- dacht, wäre es doch besser eine solche geblieben.
99' Cinema
The Ballad of Wallis
Island
(sirk) Was für eine rüh- rende Ausgangssituati-
on: Der etwas egozentri- sche zweifache Lottoge- winner Charles (Hauptdar- steller und Co-Autor Tim Key) liebt Musik. Und weil er zum Gedenken an sei- ne verstorbene Frau das mittlerweile getrennte Sin- ger Songwriter-Duo McG- wyer Mortimer auf seine einsame (titelgebende) In- sel einladen möchte, konn- te er nicht ahnen, dass er damit eine weitere Bezie- hungsgeschichte auslöst. Denn Herb McGwyer (Tom Basden), ein Teil von McG- wyer Mortimer, ist heim- lich immer noch verliebt
in seine ehemalige Du- ett-Partnerin. Kein Wun- der, denn es ist Carey Mul- ligan („Drive“), die den zweiten Teil des Folk-Duos verkörpert. Und dann, ir- gendwo zwischen rauen Küsten, viel Musik und ex- zellent aufgelegten Dar- steller*innen entsteht ein atmosphärisch dichtes Ki- no-Kleinod, das zum Träu- men einlädt. Hach wie schön. Sehenswert.
100' Schloßtheater
One to One: John &
Yoko
(sirk) Der schottische Re- gisseur Kevin Macdonald ist ein leidenschaftlicher Enthusiast. Ein akribischer Arbeiter und ein Musikfan noch dazu. Vor seinen Fil- men bereitet er sich mo- nate- manchmal jahrelang auf das Thema, die Band, den Künstler etc. vor. Nach "Marley" (2012), der ausge- zeichneten Doku über Bob Marley, "Whitney" (Hous- ton) oder seiner Doku über den kreativen Modedesi- gner John Galliano "High and Low" (2023) werden in "One to One" keine Archi- vaufnahmen zusammen- gefummelt, nein, in die- sem Fall wurde u.a. ein Apartment des titelgeben- den Künstlers nachgebaut. Es geht um das NYC-Apart- ment von John Lennon und Yoko Ono, dessen ge- meinsames Wirken über einen Zeitraum von 18 Mo- naten bebildert wird. Für Beatles-Fans ein MUSS, für Musikfans ein sehenswer- tes Zeitdokument und für Dok-Film-Fans ein Lehr- stück.
106' Schloßtheater

