Page 3 - pixelbook KW32/2025
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na dann... 32/25
Die Fassade des Lan- desmuseums wurde be-
schmiert. „Free Palesti-
ne!“ steht dort, und die Museumsleute haben
nun Mühe und Kosten,
die rote Farbe von dem
porösen Stein wieder zu
entfernen. Sind solche
Kritzeleien - die ich ex-
tra nicht Graffiti nenne
- eine legitime Form des
politischen Widerstands
und damit moralisch zu rechtfertigen, trotz des Schadens, den sie anrichten?
Nein. Denn niemand wird „Palesti- na befreien“, wenn er den Schriftzug liest. Und auch, um das Elend in Pa- lestina bekannt zu machen, braucht man ihn nicht. Die Medien machen ihren Job gut. Übrigens meistens sehr ausgewogen und unter Beachtung der jeweils anderen Seite. Deswegen halte ich die meist ziemlich hässlichen Schriftzüge aber auch nicht gleich für einen „Anschlag auf unsere Gesell- schaft“, wie manch ein Kommentator. Da lassen wir mal besser die Kirche im Dorf.
Doch „Free Palestine!“ zeigt etwas anderes: Eine angeblich einfache Lö- sung für ein kompliziertes Problem. Das sind Methoden von Populisten, die Menschen fangen, indem sie ihnen suggerieren, man müsste nur eines tun, und dann wäre die Welt eine bessere. Ausländer raus - jeder Bür- gergeldempfänger würde mehr Geld bekommen (ach so, ich frage für einen Freund: Wir bringen wir eigentlich den vielen Niederländern, Dänen, Franzo- sen und Belgiern bei, dass sie Deutsch- land verlassen müssen? Ach, die sind
presseausweis 3 Inhalt
Die na dann in meinem Supermarkt 02
Presseausweis 03 Kinokritiken 04–11 Veranstaltungen 12–25 Ohrenschmauch 21 Kleinanzeigen 26–55
Was bedeuten das kleine [K] + [F] in der gedruckten na dann?
44, 51, 53 Ständ. Termine 46–50 Webguide 51
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Presseausweis
gar nicht gemeint? Also nur die Bösen, aus dem globalen Süden?)
Nun haben wir in- zwischen gelernt, dass man am meisten Auf- merksamkeit bekommt, wenn man laut rum- schreit und pöbelt. Noch immer funktioniert das gut in den „sozialen“ Netzwerken und man
muss schon sagen: Face- book, Insa & Co. haben beigetragen zu einer laut-rumschreienden Ge- sellschaft. „Empörungs-Demokratie“ nennt das Medienforscher Bernhard Pörksen. Denn natürlich funktioniert das auch in der realen Welt ganz gut, die AfD weiß das nur zu gut und setzt ihre Schreierei gezielt ein - ohne das die etablierten Parteien dem etwas
entgegensetzen können.
Klingt eine Lösung zu einfach, dann
ist sie es vermutlich auch. „Free Pale- stine!“ ist ein gutes Beispiel. Natürlich könnte man Palestina befreien, wenn man Israel dann auch das Recht auf dauerhafte Sicherheit in seinem eige- nen Staatsgebiet zugestehen würde. Natürlich hätte Palestina jetzt nicht das Problem, wenn es nicht zuvor Tausende Israelis getötet hätte weil die wiederum den Palästinensern angeb- lich Land weggenommen haben weil die Region generell ein Pulverfass ist und es auch darum geht, wer gerade den größeren Testosteron-Schub hat
Den Nah-Ost-Konflikt zu verstehen, ist eine große Aufgabe. Ich versuche es immer noch. Aber ich weiß: Die Wahr- heit ist oft grau. Und nicht schwarz- weiß. _ Stefan Bergmann

