Page 12 - die neue na dann KW 33
P. 12

12 ohrenschmauch
na dann... 33/25
    J. McLaughlin – Keine One Man Show
  Klaus König – Lieder ohne Worte
Wenn ich mich recht erinnere, gab es schon längere Zeit nichts Neues von dem Mann, der mit seinem Ma- havishnu Orchestra seine spezielle Variante Rock-Jazz einem größeren Publikum zugänglich machte. Hier kommt der Mitschnitt eines Auftritts beim 2022er Montreux Jazz Festival. JOHN McLAUGHLIN und seine 4th Dimension, die aus Etienne Mbappe am Bass, Gary Husband, Keyboards / 2. Drum Set, Nicola Viccaro als Haupt- Drummer und als Gast Jany McPher- son an Klavier und Stimme besteht. In den gut 90 Minuten begeistert dieses Quintett mit extremer Spielfreude und Enthusiasmus. Klar, der Leader steht im Vordergrund, er spielt Tonfolgen auf der Gitarre noch immer schneller, als ich sie hören kann. Dieses „Live at Montreux“ ist jedoch bei weitem keine One-Man-Show. Die ausgewählten Individualisten in dieser Combo sind nicht ‚nur‘ Sidemen. Es geht vom Blues-basierten Intro durch ein breit angelegtes Programm, in dem neben Grüßen an Pharoah Sanders (The Creator has a Master Plan) oder Paco de Lucia (El Hombre que sabia) weitere Adaptionen von Kollegen aus der Jazz Historie ihren Platz finden, allem voran steht aber die offensichtliche Spiel- freude der Beteiligten, die freizügige Aufteilung der solistischen Ausflüge
der Band Mitglieder und die Band- breite des dargebotenen Repertoires. Würde ich die Namen aller Beteili- gten an MICHALIS KOULOUMIS‘ „Dis- placed Dreams“ hier auflisten, wäre die Seite bereits voll ohne ein Wort zur Musik.AndiesemProjektbeteiligtsind 22 MusikerInnen, ausschließlich mit akustischen Instrumenten. Violinen, Violas, Celli, dazu mehr als die Hälfte der Teilnehmer an vorderasiatischem Instrumentarium, Oud, Ney, Laute, Trommeln. Der klassisch ausgebildete Violinist führt das Ensemble in 9 Titeln durch das Repertoire, das aus einer Mischung europäischer Orchester Tradition und arabisch/indischen Harmonie-Motiven besteht. Für den Genuss braucht es Geduld, 20 Sekun-
den Schnipsel helfen nicht.
Noch etwas spezieller wird es
hier mit „Looking for New Horizons“ des Sextetts HIRUNDO MARIS. Das Ensemble unternimmt eine mittel- alterliche Reise von Norwegen bis ins ottomanische Reich und findet auf dem Weg musikalische Kleinode aus den besuchten Ländern, in denen sich die gegenseitig eingefärbten und gemischten Kulturen widerspiegeln. Sehr speziell.
Dies ist bereits das vierte Volume, in dem sich MARA ARANDA mit der Ver-
breitung der sephardischen (jüdisch- spanischen) Musik Vergangenheit befasst. Für „Sefarad en el Corazon de Bulgaria“ trägt sie mit ihrem Ensemble auf traditionellen Instrumenten zwölf von ihr ausgewählte Werke aus dem Mittelalter in möglichst authen- tischen Arrangements vor. Sie ist eine Archäologin für Musik. Vergessene Schätze der Vergangenheit holt sie ans Tageslicht in Instrumentierung, wie sie auch zur Zeit ihrer Entstehung aufgeführt worden sein könnten. Ist wie eine Zeitreise, mit geschlossenen
Augen oder im Dunklen echt magisch. Nicht irritieren lassen, „Autumn Girl“. Die neue CD des KLAUS KOENIG Jazz Live Trio ist nicht Live eingespielt. Piano, Bass, Drums, der Klassiker in einer weiteren Ausführung. Aller- dings nicht fertig Komponiertes des Namensgebers, sondern auf möglichst freies Zusammenspiel angelegt. Was nicht bedeutet schräg und schrill, im Gegenteil, das Trio spielt aus einer gelebten Vergangenheit, die Elemente von Swing bis Blues enthält, sich ledig- lich nicht an gewohnte Strickmuster hält. Es kann zwischendurch auch mal ‚expressiv’ werden, die wunderbar lyrischen Passagen sind dazu der bei- nahe romantische Gegenpart. nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de
  M. Koluloumis – Mix aus Kulturen






















































































   10   11   12   13   14