Page 5 - die neue na dann KW 33
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kinokritiken 5
Milch ins Feuer
(sirk) Das Landleben im Schwabenländle. Katin-
ka (Karolin Nothacker) ist gerade mit der Schule fer- tig. Sie möchte Landwir- tin werden. Genau wie ihre Mutter (Johanna Wokalek) und ihre Oma (Lore Bauer) vor ihr. Ihre alleinerziehen- de Mutter steht der Ent- scheidung jedoch kritisch gegenüber. Immer schwie- riger ist das Verhältnis zwi- schen Aufwand und Ertrag in der heutigen Landwirt- schaft. Regisseurin Justine Bauer versucht trotzdem mit meist romantisieren- den Einstellungen Lust auf die (feministische) Land- wirtschaft zu machen. Es ist Sommer: Katinka beim Kühemelken, Katinka beim Einfahren des Heus usw.. Gedreht mit Laiendarstel- lern im 4:3-Format bleibt der rote Faden allerdings irgendwo im Heu verbor- gen. Auch die Mundart-Be- langlosigkeiten erschwe- ren den Zugang zu den Fi- guren. Geschwätzt wird auf Schwäbisch (mit Un- tertitel). Weŕs mag.
78' Cinema
Altweibersommer
(mex) Drei Frauen auf Campingurlaub in der Stei- ermark. Das schlechte Wetter entspricht der Ge- mütslage. Ellie hat nach ei- ner Chemotherapie jegli- che Lebensfreude verlo- ren, Astrid und Isabella ah- nen schnell, dass ihr Ver- such, die Stimmung ihrer Freundin aufzuhellen di- rekt zu Beginn zu scheitern droht. Zumal sie sich selbst mit privaten Problemen herumschlagen. Bevor es zum vorzeitigen Reiseab- bruch kommt, verändert ein plötzliches Ereignis mit vorteilhaften finanziellen Folgen die Situation. Was so ein bisschen Geld doch alles zu bewirken in der La- ge ist. Oder doch nicht? Zwar befinden sich Ellie, Astrid und Isabella plötz- lich in einer Luxusherberge im warmen Venedig, doch der zwischenmenschliche Gamechanger lässt vorerst weiter auf sich warten... Pia Hierzegger inszeniert mit ihren starken Co-Dar- stellerinnen eine lako- nisch-trockenes, unsenti- mentales und unterhaltsa- mes Buddy-Comedy-Dra- ma. Very österreichisch.
Wilma will mehr
(sirk) ... vor allem Aner- kennung. Stellvertretend für die vielen gebeutelten, ehemals glücklichen Men- schen, die hinter bzw. vor vielen Dingen ein "Ex" ge- stellt haben bzw. noch stellen (müssen), Ex-Part- ner, Ex-Job, Ex-Freundes- kreis und so weiter, verkör- pert Fritzi Haberlandt ei- ne emanzipierte Ost-Frau, die sich diesen und wei- teren Schicksalsschlägen entgegenstellt. Zu Beginn wird im Blaumann ge- tanzt, dann erzählt, dann abgewickelt, schließlich geht es weiter in Wien. An- fangs ein wenig desillusio- nierend entsteht am neu- en Ort ein neuer Wert. Ein wenig Culture-Clash mit dem ostdeutschen Prag- matismus einer Frau, die die Hoffnung nicht aufge- geben hat. Haberlandt sei Dank eine berührende klei- ne Süßigkeit.
112' Cinema
Rave On
(sirk) ... eine Nacht in ei- nem Berliner Techno-Club. Einmal mehr geht es um Anerkennung. Der DJ und Produzent Kosmo, einst gefeiert, hingefallen, ge- schasst und wieder aufge- standen, hat ein DJ-Set auf eine Vinyl-Platte gepresst. Diese möchte er gern sei- nem Idol Troy Porter über- reichen, der im Club auf- legt. Zu Beginn spielt der Film von Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski (ge- boren in Berlin) mit allen Klischees, die einem zu ei- ner Club-Nacht einfallen: Abweisung am Eingang, heruntergekommene Räumlichkeiten, Drogen, Darkroom-Sex, flackerndes Licht (Stroboskop), wum- mernder Bass etc. ... Ei-
ne intensive Cluberfah- rung a la Gaspar Noé (Cli- max, Enter the Void) al- so? Wegen des etwas toll- patschigen Hauptdarstel- lers, einer großen Prise Kaf- ka und einst gefeierten, heute gefrusteten Wegge- fährten (Partner, Prof. etc.) nennen wir es den "ger- man Remix".
86' Cinema
98' Schloßtheater

