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kinokritiken 5
Sirat
(sirk) Ein Vater sucht seine Tochter. Obwohl Luis (Ser- gi López) seit über 5 Mo- naten kein Lebenszeichen von ihr erhalten hat, ver- mutet er seine volljährige Tochter Mar auf einem Ra- ve in Marokko. Zusammen mit seinem minderjähri- gen Sohn Esteban reist er zunächst in die Grenzre- gion. Gemeinsam werden Handzettel verteilt. Als ein sympathisches Grüppchen Außenseiter und Welten- bummler nach einer mili- tärischen Räumung zum nächsten Rave in die Wüs- te aufbrechen will, folgt ih- nen das Vater-Sohn-Ge- spann. Mit fatalen Fol- gen. Ein hypnotisches und in Teilen dystopisches Ro- admovie mit viel ambi- ent techno (Kangding Ray), staubigen Landschafts- aufnahmen und einigen sprichwörtlichen "Schlä- gen in die Magengrube". Offen für Interpretationen. Ein faszinierend immersi- ver, allegorischer Trip des Spaniers Oliver Laxe. Aus- gezeichnet mit dem gro- ßen Preis der Jury in Can- nes. Sehr empfehlenswert.
Was uns Verbindet
(mex). Ein Mensch kommt auf die Welt. Lucille heißt das Mädchen. Sie hat ei- nen Bruder und einen Va- ter. Ihr Geburtstag ist der Todestag ihrer Mutter. Ei- ne schreckliche Tragödie, von der die Kleine eben-
so wenig ahnt, wie von dem Chaos, das sich um sie herum abspielt. Damit hat Vater Alex zu kämp- fen, der sich, vom Schick- sal überrumpelt, plötzlich in einer völlig neuen Reali- tät wiederfindet. Wie gut, dass Sandra (Valeria Bru- ni Tedeschi), die entspann- te Nachbarin, helfen kann und schnell einen Draht zu dem überforderten Sohn Elliot findet... Schon sind wir mittendrin in Lucilles Leben, und in einem All- tag, der für alle Beteiligten mit gewaltigen Aufgaben, düsteren Abgründen und hoffnungsvollen Momen- ten aufwartet... Von Tag 1 an begleitet Regisseurin Carine Tardieu episoden- haft das vielschichtige Dra- ma und singt dabei das hohe Lied der Zusammen- gehörigkeit. Sehr empfeh- lenswert.
Freakier Friday
(jonny) Anna ist inzwi- schen erwachsen und will ihren Verlobten Eric heira- ten. Doch es gibt ein Pro- blem: Ihre beiden Töch- ter, Harper und Lily, gera- ten ständig aneinander. Wie schon in Annas Ju- gend wirbelt ein überna- türliches Ereignis das Fa- milienleben durcheinan- der, diesmal jedoch nicht mit einem, sondern gleich mit zwei Körpertauschen. Mit ihrer früheren Erfah- rung versucht Anna, die La- ge in den Griff zu bekom- men. Doch dann taucht auch noch ihr alter High- school-Schwarm Jake auf und bringt das Chaos auf ein ganz neues Level. Nach 22 Jahren wird die geniale Idee des Originalfilms neu aufgelegt: Es wird doppelt so oft getauscht, der Fami- lienstreit weitet sich zum Patchwork-Familienstreit aus, und aus zwei Genera- tionen werden drei. Klingt etwas überladen? Ist es auch. Für Nostalgiker ist "Freakier Friday" trotzdem ein Muss!
112' Cineplex
Weapons: Die Stunde
des Verschwindens
(sirk) Ein Ereignis, erzählt aus sechs Perspektiven. Mit einer einzigen Ausnahme ver- schwinden eines Nachts alle Kinder einer Grundschulklas- se, zur exakt gleichen Zeit. Hauskameras hatten aus dem Haus rennende Kinder mit ausgebreiteten Armen aufgezeichnet. Nicht nur die Grundschullehrerin Justine (Julia Garner) ist geschockt. Während Polizei und Schul- leitung (Benedict Wong) nach Erklärungen oder gar Schul- digen suchen, nimmt Vater Archer Graff (Josh Brolin) die Suche selbst in die Hand ... Die verschieden perspek- tivische Herangehensweise ist nicht neu (wie viele ent- husiastische Youtuber mei- nen), diese Erzählstruktur hatten bereits Paul Thomas Anderson (Magnolia) oder zuletzt Hirokazu Kore-eda (Kaibutsu – Die Unschuld) in ihren Meisterwerken ange- wendet. Zach Cregger würzt die Aufbereitung eines Ver- schwindens mit einer großen Portion Horror und verzückt damit weltweit nicht nur Horror-Fans. Der Film der Stunde. Karten reservieren!
115' Cinema
107' Schloßtheater
128' Cineplex

