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kinokritiken 5
Nobody 2
(jonny) Hutch Mansell möchte nach den Ereignis- sen des ersten Films mehr Zeit mit seiner Familie ver- bringen und hofft auf ei- nen unbeschwerten Ur- laub in Plummerville, wo er selbst einst schöne Tage erlebt hat. Doch die Idylle währt nicht lange: Korrup- te Betreiber, ein zwielich- tiger Sheriff und die skru- pellose Gangsterin Lendina sorgen dafür, dass Hutch erneut seine alte Rolle als kompromissloser Kämpfer einnehmen muss. Dabei verbindet Regisseur Timo Tjahjanto brutale Gewalt mit bewusst überzeichne- ter Komik. Kämpfe eska- lieren zu absurden, beinah klamaukhaften Exzessen, während Bob Odenkirk und das übrige Ensemb-
le die überdrehten Figuren mit sichtbarer Spielfreu- de verkörpern. Eine Fort- setzung, die zwar weniger Überraschungen bietet als der erste Teil, dafür aber hemmungslos Härte und Humor kombiniert.
90' Cineplex
Die Farben der Zeit
(mex) Ein altes, seit über 80 Jahren unbewohn-
tes Haus in der Norman- die soll dem Parkplatz ei- ner gigantischen Einkaufs- mall weichen und abge- rissen werden. Was noch fehlt, ist die Zustimmung der zahlenmäßig erstaun- lich großen Erbengemein- schaft. Die schickt vier Ver- treter, die sich vor Ort ein Bild von der Immobilie ma- chen sollen. Die gemisch- te Gruppe um den liebens- werten Content Creator Seb staunt nicht schlecht, als sie die morsche Ein- gangstür ihres geerbten Besitzes aufbricht und
sich plötzlich in einer wah- ren Zeitkapsel wiederfin- det. Bald machen sie sich auf die Spur der Geschich- te ihrer Vorfahrin Adèle, der vormaligen Besitzerin des Anwesens und finden sich im Paris des späten 19. Jahrhunderts wieder... Cédric Klapisch („L´auber- ge espagnole“) spinnt mit dieser charmanten Zeit- reise eine schöne Erzäh- lung über Familie, die Bel- le Epoche und ein zauber- hafte Paris.
Bring Her Back
(jonny)EinesTagesfinden Andy und seine sehbehin- derte Stiefschwester Piper ihren Vater tot in der Du- sche. Da Andy erst in drei Monaten volljährig wird, ziehen die beiden zu der Sozialarbeiterin Laura, die bereits den mutistischen Jungen Oliver bei sich auf- genommen hat. Da Lau-
ra vor Kurzem ihre eben- falls sehbehinderte Toch- ter verloren hat, scheint ih- re besondere Nähe zu Pi- per zunächst nachvollzieh- bar. Doch schon bald zeigt sich, dass sie mit Piper und Oliver einen düsteren Plan verfolgt, bei dem Andy nur im Weg ist... Nach dem Überraschungserfolg ihres Regie-Debüts „Talk to Me“ legen die Philippou-Brüder mit „Bring her Back“ noch eins drauf. Sie verbinden tiefe emotionale Verlet- zungen mit leibhaftigem Horror zu einem grausigen Plot der keine Atempause lässt. Zusammen mit einer oscarreifen Performance von Sally Hawkins liefert der Film ein Fest für hart- gesottene Horrorfans.
105' Schloßtheater
La Haine - Hass
(sirk) 24 Stunden vor den Toren von Paris in den 1990ern. Gewalt liegt in der Luft. In der Nacht zu- vor hat es einen gewalttä- tigen Aufstand gegeben. Der 16-jährige Araber Ab- del liegt nach einem Zu- sammenstoß mit der Po- lizei im Koma. Das Viertel ist in heller Aufregung und bereitet sich auf die nächs- te Nacht vor, die weite-
re Unruhen mit sich brin- gen könnte. Abdels Freun- de Saïd (Saïd Taghmaoui), Hubert (Hubert Koundé) und Vinz (Vincent Cassel) tragen alle Wut im Bauch, doch sie erliegen schließ- lich mehr der Hoffnungslo- sigkeit als dem Hass. Zuvor treffen die Banlieu-Bewoh- ner in anekdotenhaften Szenen auf Vertreter un- terschiedlichster Teile der Gesellschaft, welche die Fi- guren mit wenigen Aus- nahmen ausgrenzen, miss- handeln oder bestenfalls als Kuriosität behandeln. Der Hip-Hop durchtränkte Soundtrack unterstützt die bedrohliche und dunkle Stimmung der Bilder. Zeit- los aktuell. Ein Meilenstein des französischen Kinos.
126' Schloßtheater
98' Cinema

