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2 na dann... Kinokritiken    The Smashing Machine (sirk) Vom Aufstieg und Fall eines Kämpfers. Das Anti-Biopic über den MMA-Kämpfer Mark Kerr ist nur vordergründig ein Sportfilm. Zwar verkörpert Dwyne "The Rock" Johnson den "Smashing Machine" mit einschüchternder Physis und kämpferischer Brutalität, entschärft die Figur aber durch seine Darstel- lung eines "netten" Riesen mit Hang zur Tumbheit und Verletzlichkeit. Regisseur Benny Safdie unterläuft kontinuierlich die Klischees des Genres: Große dramaturgische Punkte, Ring-Triumphe und eine Einführung von Kerrs Freundin Dawn (Emily Blunt) werden ausgelassen. Stattdessen setzt der Film auf eine pseudo-dokumentarische Ästhetik, einen esoterischen Soundtrack und die Konzentration auf Kerrs inneres Ringen sowie seine Opiate-Sucht. Die eigentliche Hauptdarstellerin (obwohl vergleichsweise mit wenigen Szenen) ist Kerrs Freundin Dawn, deren fordernde Präsenz Kerrs Leben zum Trümmerhaufen macht. ' Cinema Momo (sirk) Die erneute Leinwandadaption des "Momo"-Klassikers fünf Dekaden nach Veröffentlichung war ein mutiges Wagnis. Romanautor Michael Ende stemmte sich stets vehement gegen die Verfilmung seiner Geschichten und ließ sich 1986 überhaupt erst spät überreden. Die erste filmische Umsetzung mit Radost Bokel in der Hauptrolle fand dennoch ein breites Publikum und ist der erfolgreichste Kinofilm des Jahres 1986. Die wichtigste Frage aber: Passt eine Geschichte über Zeitverschwendung aus den 1970ern in das Jahr 2025? Bei Christian Ditter werden aus Zigarre-rauchenden Männern, die uns die Zeit stehlen, ehrgeizige Mitarbeitende eines Hardware-Konzerns. Aus einem vermeintlichen TV-Star wird ein Influencer mit Migrationshinter- grund und die Zeitverschwendung spiegelt ein leuchtendes Armband wider. Das ist alles sehr clever. Leider opfert die Neu-Interpretation die zentrale Thematik des "Sich-Zeit- nehmens" zugunsten aktueller Seh- Gewohnheiten. Die Pointe verpufft, diese Verfilmung nimmt sich schlichtweg keine Zeit. 93' Cineplex Nur für einen Tag (mex) In Cecile Leben gerät gerade so einiges durcheinander. Die Gewin- nerin einer hoch dotierten TV-Koch- Show will nun mit ihrem Lebensge- fährten Sofiane ein eigenes Gourmet-Restaurant in Paris eröffnen. Zugleich verheimlicht sie diesem ihre Schwangerschaft. Als dann auch noch ihr Vater, Betreiber eines rustikalen Trucker-Lokals, einen Herzinfarkt erleidet, fährt Cecile „nur für einen Tag“ in ihr Heimatdorf... Sicher, das kennt man: Ein Mensch, verstrickt in alle Widrigkeiten des Alltags, kehrt zurück zu seinen Anfängen um dort, das lehrt der regelmäßige Kinobesuch, im Idealfall zurück ins Gleichgewicht zu finden. Sicher ist allerdings, dass die Sache wohl länger als nur einen Tag dauern wird, müssen doch alte Schul- freunde, verkorkste Eltern und melancholische Erinnerungen verar- beitet werden... Amélie Bonnin liefert eine charmante Version dieser Erzählung und überrascht zudem mit einigen erfrischenden Musical- einlagen. 98' Cinema 


































































































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