Page 5 - neue nadann KW 41
P. 5
na dann... Kinokritiken 3 Wie das Leben manchmal spielt (mex) Marie-Line hat es nicht einfach. Die junge Frau lebt mit ihrem kranken, pflegebedürftigen Vater zusammen. Von Beruf ist sie Kellnerin. Mit Leib und Seele verdient sie ihr Geld mit harter Arbeit in einer Studentenkneipe in Le Havre. Dort trifft sie den Filmstudenten Alex- andre: Liebe auf den ersten Blick. Aber nur so lange, bis der leiden- schaftliche Cineast sich fragt, ob es Sinn macht, einer begeisterten Reality-TV-Konsumentin die Genia- lität eines Francois Truffaut nahe- bringen zu wollen. Die Antwort lässt nicht auf sich warten. Alexandre verliert das Interesse und „ghosted“ die verzweifelte Marie-Line. Ende der Geschichte? Nicht ganz, denn hier kommt Richter Gilles ins Spiel, ein verschrobener Kautz, dessen Leben rein zufällig eine Verbindung mit dem Marie-Lines´ eingeht. Da werden die Karten neu gemischt... Eine liebenswerte Feel-Good- Komödie von Jean-Pierre Améris. 104' Schloßtheater Karla (mex) „Ich bin Karla Ebel, 12 Jahre alt und möchte Anzeige erstatten“. Mit diesen Worten betritt das Mädchen die Polizeistation und trifft dabei auf Beamte, die ihr Anliegen mit einer Mischung aus Desinteresse und Überforderung wegsortieren wollen. Karla bleibt hartnäckig. Die Frage, wen sie den anzeigen wolle, beant- wortet sie kurz und eindeutig mit „Karl Ebel, meinen Vater.“ Schon sind wir mittendrin in diesem, auf wahren Begebenheiten beruhenden Fall des sexuellen Kindesmiss- brauchs. Es sind die Sechziger Jahre. Unter Männern werden hier gemeinhin Fälle wie dieser abgewi- ckelt. Karla trifft auf Richter Lamy, einen in Ansätzen mitfühlenden aber wenig wagemutig Vertreter des Rechts. So ist es dessen Sekretärin Frau Steinberg, die in ihm erst den Kampfgeist im Sinne des jungen Opfers weckt... Ein zurückhaltend, aber kraftvoll inszenierter und groß- artig besetzter Film von Christina Tournatzés. Auf dem Filmfest München mit dem „Förderpreis Neues Deutsches Kino“ für Buch und Regie ausgezeichnet. 104' Cinema A Big Bold Beautiful Journey (bouda) David und Sarah geraten durch ein rätselhaftes GPS auf eine fantastische Reise, die sie immer wieder in ihre eigene Vergangenheit führt. Hinter geheimnisvollen Türen tauchen Sarah und David in ihre Erinnerungen ein, erleben witzige, traurige, magische Episoden und erkennen, wie sie zu dem wurden, wer sie heute sind. Und vielleicht bekommen sie eine zweite Chance, die Zukunft zu verändern. „A Big Bold Beautiful Journey“ hat fantasiereiche Bilder, aber der Story fehlt es an Magie. Die Liebesgeschichte über- zeugt nicht, die Hauptfiguren bleiben seltsam distanziert – Chemie ist nicht zu spüren. Der Funke will zwischen den beiden einfach nicht überspringen. Schade. 110' Cineplex

