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KINOKRITIKEN
   No One Will Know
(jonny) In einer Bar im nächtlichen Jura gerät ein friedlicher Abend außer Kontrolle: Ein Stammgast hat den Lotto-Jackpot von fast 300 Millionen Euro gewonnen. Plötzlich fällt ein Schuss, der Mann ist tot und der Schein verschwunden. Die übrigen Gäste – darunter eine Bardame, zwei Polizisten, ein Makler und ein Junkie – sehen sich plötzlich einem moralischen Dilemma gegenüber. Misstrauen, Gier und Angst lassen die Situation eskalieren, während jeder versucht, den Schein an sich zu bringen oder seine Spuren zu verwischen. Regis- seur Vincent Maël Cardona verdichtet das Geschehen zu einem klaustrophobischen Kammerspiel über Wahrheit und Täuschung. Der Film ist stilistisch stark, getragen von präziser Kameraarbeit und bitterkomischem Unterton. Am Ende verliert er etwas an Wucht, bleibt aber ein spannendes, atmo- sphärisch dichtes Stück Noir-Kino. 109' Cineplex
How to Make a Killing
(jonny) Auf dem Heimweg zu seiner Tannenbaumfarm muss Michel im winterlichen Juragebirge einem Schwarzbären ausweichen und kracht in ein parkendes Auto. Kurioserweise sterben dabei beide Insassen, obwohl sie sich gerade für eine Pinkelpause außerhalb des Wagens befinden. Überfordert und ohne Versicherung ruft Michel nicht die Polizei, sondern weiht zunächst seine unbeeindruckte Frau Cathy ein. Gemeinsam kehren sie zum Tatort zurück, um die Leichen verschwinden zu lassen und mit dem Geld aus dem Koffer- raum zu türmen. Doch damit rufen sie neben der Gendarmerie auch andere zwielichtige Gestalten auf den Plan, und ein absurder Schlag- abtausch zwischen echten Gangs- tern, Dorfpolizei und finanziell angeschlagenen Normalos beginnt. Mit seinem schwarzen Humor, der düsteren Handlung und der atem- beraubend schönen Landschaft ist der Film eine ebenso makabere wie vergnügliche Provinzgroteske, ganz im Geiste der Coen-Brüder! 114' Cineplex
The Change
(mex) Silberhochzeit im Hause Taylor, zu Gast bei der perfekten amerikanischen Familie. Mutter Ellen, Professorin am renom- mierten Georgetown College und Vater Paul, Besitzer eines feinen Restaurants, haben, so scheint es, die Töchter Anna, Cynthia und Birdie sowie Sohn Josh zu aufge- schlossenen, smarten Menschen erzogen. Ein freier Geist vereint die unterschiedlichen Charaktere, Liebe, Respekt und Solidarität werden großgeschrieben. Zur Fami- lienfeier präsentiert Josh seine neue Freundin Liz... und mit ihr den Sargnagel der Idylle. Die junge Dame, die gerade noch vor dem Spiegel übte, wie sie sich ihren Schwiegereltern in spe anbiedert, entpuppt sich als intellektuelle Speerspitze einer Bewegung, die an der Errichtung eines autoritären Regimes arbeitet. Regisseur Jan Komasa begleitet die Taylors über 5 Jahre und lässt uns Zeugen eines nicht für möglich gehaltenen Wandels werden. Im Kino deutlich unterhaltsamer als „in echt“. 112' Cineplex



























































































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