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KINOKRITIKEN
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   Nachbeben
(mex) Alex ist Ärztin auf einer Schlaganfallstation. Sie ist sympa- thisch, kompetent, immer noch jung und überaus selbstbewusst - ein Star der Abteilung. Und wäh- rend sie wie gewohnt in der hekti- schen und fordernden Atmosphäre ihres Arbeitsplatzes hoch professio- nell ihren Dienst verrichtet, immer ein wenig von oben herab Tipps und Hinweise für unerfahrenere Kolleg*innen bereithält, ist sie es plötzlich, der ein kapitaler Fehler unterläuft. Unerwartet, schockie- rend... aber endgültig. Regisseurin Zinnini Elkington macht uns in ih- rem Spielfilmdebüt zu Zeugen, wie es ist, wenn innerhalb weniger Mo- mente als sicher betrachtete Syste- me an ihre Grenzen gelangen und zusammenbrechen. Auf institutio- neller, wie auch auf persönlicher Ebene. Und sie lässt Größe und Komplexität der Aufgabe des Um- gangs mit dem entstandenen Scherbenhaufen erahnen. Ein dras- tischer, nervenaufreibender Film -. sehr sehenswert. 92'
Das Gewicht der Welt
(sirk) Die Verknüpfung persönlicher Schicksale mit den großen Fragen unserer Zeit ist längst zum Marken- zeichen von Florian Heinzen-Ziob (Dancing Pina) geworden. Seine vierte Regiearbeit folgt dabei fast programmatisch dem Credo einer der porträtierten Forscherinnen: Um die Menschen wirklich zu errei- chen, braucht es keine kühlen Sta- tistiken, sondern greifbare Erzäh- lungen. Heinzen-Ziob bricht hier bewusst mit dem Ideal distanzier- ter Wissenschaft. Er zeigt uns Wissenschaftler*innen, deren For- schung längst zu einer tief empfun- denen existenziellen Krise gewor- den ist. Wo früher Sachlichkeit re- gierte, spüren wir nun die pure emotionale Betroffenheit ange- sichts der drohenden Zerstörung. Die fundierten Erklärungen im Film dienen dabei einer neuen, radikalen Form der Verantwortung: Es ist der Moment, in dem die Wissenschaft ihre Labore verlässt, um auf den Straßen für unser aller Zukunft ein- zustehen. Sehr empfehlenswert. 98'
Love Me Tender
(sirk) In der Adaption des 2020 er- schienenen Romans der Anwältin Constance Debré spielt die wunder- bare Vicky Krieps die junge Mutter Clémence. Seit mehreren Jahren lebt Clémence einvernehmlich ge- trennt von ihrem langjährigen Ehe- mann und ehemaligen Jugend- freund Laurent (Antoine Reinartz). Zu Beginn gibt es keinerlei Span- nungen; die beiden Eltern treffen sich regelmäßig auf einen Kaffee, um das beste Vorgehen für die Er- ziehung ihres achtjährigen Sohnes Paul zu besprechen. Die Situation schlägt in einen Rosenkrieg um, als Clémence offenbart, dass sie be- gonnen hat, Frauen zu daten. In sei- ner Männlichkeit gekränkt, bricht Laurent die Kommunikation ab und kämpft um das alleinige Sorge- recht. Was als Sorgerechts-Drama beginnt, entwickelt sich zu einem prägnanten Charakterporträt einer Frau, die weder ihren Wahlberuf noch ihre Sexualität oder ihre Fami- lie aufgeben will. 134'


























































































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