Page 5 - pixelbook KW11/2025
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 na dann... 11/25
kinokritiken 5
    Das kostbarste aller
Güter
(jonny) Regisseur Michel Hazanavicius ist bisher vor allem mit Komödien auf- gefallen und wollte trotz seiner jüdischen Herkunft nie einen Holocaust-Film machen. Mit der Verfil- mung des gleichnamigen Märchens nähert er sich nun doch dieser sehr ernst- haften Thematik, wobei die Shoah in dieser Erzählung aber eher eine Randbedin- gung darstellt. Vielmehr geht es um einen Hoff- nungsschimmer, der auch in einer der grausamsten Zeiten der Menschheitsge- schichte nie erloschen ist. Dieser wird von einem Kind verkörpert, das auf dem Weg nach Auschwitz von seinen Eltern aus dem fah- renden Zug geworfen und wird. Für die arme Holzfäl- lerin die das Baby findet ist es ein Geschenk Gottes und in Laufe der Zeit bleibt ihr Herz nicht das einzige wel- ches von diesem Kind er- wärmt wird. Ein rührender Animationsfilm, der dank der schlichten, fast skizzen- haften Zeichnungen des Regisseurs selbst nur selten ins Kitschige abdriftet.
81' Cinema
Heldin
(mex) Schichtwechsel, jetzt Spätdienst. Ein langer Flur, Tür an Tür, dahinter Menschen, mit all den vielfältigen Problemen und Sorgen, die ein Kran- kenhausaufenthalt mit sich bringt. Das ist der Arbeitsplatz der jungen, aber erfahrenen Kranken- schwester Floria (fantas- tisch: Leonie Benesch). Gleich zu Beginn erfährt sie, dass der Tag unter keinem guten Stern stehen wird: Personalnot. Nur zu zweit werden sie versu- chen müssen, den auf sie zukommenden Anforde- rungen gerecht zu werden. Auch das gehört zur Routine, doch Floria wird ihr Bestes geben, souverän und freundlich weiß sie, was zu tun ist. Jedoch, der Druck steigt von Stunde zu Stunde. Wünsche bleiben unerfüllt, Fehler werden gemacht, Grenzen erreicht und überschritten... Regis- seurin Petra Volpe reißt uns mit in die Untiefen ei- nes mangelhaften Systems und begeistert mit einem Film, der neunzig atemlose Minuten gefangen hält. Kino @it´s best.
92' Schloßtheater
Ein Mädchen
namens Willow
( jonny) Die elfjährige Willow zieht mit ihrem alleinerziehenden Vater in das alte Haus ihrer Mutter, das sie geerbt haben.
Dort hat Willow richtig viel Platz und sogar einen eigenen Wald, mit dem
sie zunächst aber nicht viel anfangen kann. Doch schnell lernt sie die Natur und alle Tiere im Wald zu schätzen und stößt eines Tages auf das lebendig gewordene Hexenbuch namens Grimmoor. Von ihm erfährt Willow, dass sie angeblich Hexenkräfte besitzt. Sie müsse nur drei andere Junghexen finden, dann würden sich ihre Kräfte voll entfalten. In der Tat wären ein paar Zau- berkräfte nützlich, denn das Finanzamt droht, ihren geliebten Wald zu verkau- fen... Harry Potter trifft
auf Sonntagsmärchen mit allerlei guten Botschaften über Freundschaft und den Schutz der Natur. Ein netter Kinderfilm, der vor allem durch seine liebevol- le Inszenierung auffällt.
94' Cineplex
Sing Sing
(sirk) Kunst kennt keine Grenzen. Und offensichtlich auch keine Gefängnismau- ern, was der US-Autor und Regisseur Greg Kwedar mit seinem zutiefst berühren- den Gefängnis-Drama un- ter Beweis stellt. Stellvertre- tend für die vielen Insassen des Hochsicherheitstraktes von Sing Sing, einem 50 Kilometer außerhalb von New York City liegenden US-Gefängnis, stellt Greg Kwedar John `Devine G` Whitfield (klasse: Colman Domingo) vor. Devine G ist Teil einer Theatertruppe (die tatsächlich vor 30 Jah- ren als RTA (Rehabilitation Through the Arts) in Sing Sing gegründet wurde). Als der Drogendealer Clarence ´Divine Eyé Maclin (der sich selbst spielt) für die Truppe angeworben wird, gerät die augenscheinliche Harmo- nie der Gruppe ins Wanken ... In seiner nuancierten Mischung aus Dokumenta- tion, Charakterstudie und Freundschaftsdrama geht es um die Kraft der Kunst, die Kraft des Schauspiels und um die kleine Portion Freiheit, die vielen über Jahre verwehrt bleibt.
107' Cinema
















































































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