Page 5 - neue nadann 37
P. 5
na dann... 37/25
kinokritiken 5
Kreator - Hate &
Hope
(sirk) Der Ruhrpott in den 80ern. Strukturwandel. Der Bergarbeiter-Mythos hat sein Pathos verloren. Der Tagebau bekommt ein Mindesthaltbarkeitsda- tum. "Bloß nicht auf Zeche gehen wie Papa", das galt auch für vier musikinteres- sierte Freunde aus Altenes- sen. Sie hörten die Band Kiss und wollten genauso klingen. Nur konnte keiner sein Instrument so rich-
tig spielen. 40 Jahre spä- ter klappt das ganz gut, so- gar noch erheblich schnel- ler als Kiss in den 70ern. Sie spielen Thrash-Metal, hart, schnell, laut. Ihr alter Probenraum ist bis heute derselbe, sie nennen sich Kreator, spielen weltweit in vollen Stadien und ihre Fangemeinde (u.a. Bela B. von den Ärzten, Lars Eidin- ger) ist den bodenständi- gen Ruhrpottlern bis heu- te treu ergeben. Eine emp- fehlenswerte Rockumen- tary mit stillen Momenten, die auch mit einigen Kli- schees aufräumt. Sehens- wert - auch für Nicht-Me- tal-Fans.
115' Cinema
In die Sonne schauen
(sirk) Der Blick durch ein Schlüsselloch verheißt oft nichts Gutes. Zumindest nicht im Film. Bei Mascha Schilinski, die die Idee zum Film während eines län- geren Aufenthaltes auf ei- nem Bauernhof in der Alt- mark hatte, werden für junge Frauen und Mädchen Geheimnisse offenbar. Wie verlor der ältere Bruder sein Bein? Warum hört er auf zu schreien, wenn er "in der Mitte des Körpers" massiert wird? Was macht die Mut- ter, wenn sie vor den Fami- lienfotos steht? Schilins-
ki mäandert durch die Zeit, vom Kaiserreich bis heute und erzählt die (meist düs- teren) Geschichten der Fa- milien, die in vier verschie- denen Zeitabschnitten ei- nen Bauernhof in der Alt- mark bewohnen. In erster Linie aus weiblicher Pers- pektive. Anders als bei Ro- bert Zemeckis (ähnliche Idee mit "Here") sind die Einstellungen jedoch nicht auf Hochglanz poliert son- dern offenbaren Angst, Trauer und Traumata - und eben Schlüssellochgeheim- nisse. Ein Meisterwerk. Nicht verpassen!
155' Cienma/Schloßtheater

