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How to be Normal und der Versuch sich selbst zu
verstehen
(sirk) Was ist schon normal? "Zombie-Schnecken und Killer-Asteroiden, die die Erde bedrohen?" jedenfalls nicht, was die Mutter der jungen Haupt- darstellerin infrage stellt. Nein, in einer Welt der unbegrenzten Möglich- keiten hat Pia (Luise-Céline Gaffron) "sich dafür entschieden, krank zu sein". Pia schluckt jede Menge Pillen. Welche Diagnose gestellt wurde und warum Pia in der Psychiatrie war, das bleibt unklar. Der Vater bringt seine überforderte Tochter in seiner Druckerei unter, die Mutter verzweifelt an ihren Texten als Synchronsprecherin. Florian Pochlatko stellt keine Fragen und bietet keine Antworten. Der Österreicher spielt gerne mit Stilmitteln und zitiert gerne, Matrix, Fight Club, Reqiuem for a dream, Songtexte von
Daniel Johnston ... Am Ende stellt er nur zur Schau. Schade. 102' Cinema
Honey Don‘t
(sirk) ... klingt wie eine Warnung. Und nach der Sichtung hätte man den Titel als solche interpretieren sollen. Einer der Coen-Brüder (hier Ethan, nicht Joel), seit 2018 auf Solo-Pfaden unterwegs, startete zusammen mit seiner Frau Tricia Cook mit "Drive Away Dolls" eine queere B-Movie-Trilo- gie, deren zweiter Teil, inhaltlich unabhängig vom ersten, der lesbischen Privatdetektivin Honey O´Donauhue ins kalifornische Bakersfield folgt. Margaret Qualley verkörpert diese Privatdetektivin als eine Mischung
aus Femme Fatale und Superhirn der Verbrechensbekämpfung. Zusam- men mit reichlich Sex darf Honey einem vermeintlichen Unfalltot nachge- hen, und bekommt es mit einem einflussreichen Sektenführer (over-acted Chris Evans) zu tun. Am Ende gehen nicht nur den Neo-Noir-Klischees son-
dern auch den One-linern die Puste aus. 90' Cinema
Nam June Paik: Moon is the Oldest TV
(mex) Wer alt genug ist, verbindet den Namen Nam June Paik möglicher- weise mit der Installation „32 Cars for the 20th Century“, jener groß ange- legten Anordnung silberner Autos, die kombiniert mit Mozarts Requiem und zahlreichen TV-Geräten anlässlich der „Skulptur Projekte 1997“ für reichlich Aufmerksamkeit sorgte. Für Münster ein singuläres Ereignis, für den Künstler eine typische Arbeit, in der er zeitgeschichtliche Übergän- ge, Innovation und Medienkultur thematisierte. Wer war dieser Nam June Paik und wie wirkt sein Werk in die heutige Zeit? Diesen Fragen widmet Filmemacherin Amanda Kim eine, ab der ersten Minute fesselnde Doku- mentation, die den herausragenden Stellenwert Paiks für die Kunst des 20. Jahrhunderts verdeutlicht und einen Visionär portraitiert für den wohl
das Wort „schillernd“ erfunden wurde. Schlicht und ergreifend großartig. [Für die ganz Alten: Wer kennt noch den TV-Buddha mit Enten von ´87?] 115' Cinema

