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kinokritiken 5
The Long Walk
(bouda) In seinem Roman "Todesmarsch", entwirft Stephen King eine er- schütternde Dystopie: In einem grausamen Wettbewerb müssen jun-
ge Männer zu einem Marsch antreten, bei dem es nur einen Sieger geben kann. Wer stehen bleibt, stirbt. Am Ende überlebt nur derjenige, der bis zum Schluss durchhält. Er erlangt unvorstellbaren Reichtum, während alle anderen ihr Leben verlieren. Wer eine typische King-Verfilmung mit über- natürlichem Horror erwartet, wird von "The Long Walk" enttäuscht sein. Der Film ist eine brutale und schonungslose Umsetzung der Romanvorla- ge. Die Geschichte steht als Metapher für den Krieg, in dem der Tod unzäh- liger junger Männer als notwendiges Übel hingenommen wird. Das uner- bittliche Zusammenspiel von Laufen, Reden und Sterben macht die Vorlage
zu einem zermürbenden Erlebnis, das auf der Leinwand zur Zumutung wird. 108' Cineplex
Die Gesandte des Pastes
(mex) Eigentlich wollte die italienische Ordensgründerin Francesca Cabri- ni den Papst von der Notwendigkeit der Gründung eines Waisenhauses in China überzeugen, aber Leo XIII., durchaus fasziniert von Cabrinis hinge- bungsvollen Tatendrang, schickt sie stattdessen nach New York.1889 sieht es für die zahlreichen italienischen Einwanderer alles andere als rosig aus. Das Klima in der Neuen Welt ist rau und die Widerstände gegen Schwes- ter Francescas Auftrag, das Leben der Armen und Schwachen besser zu machen, allgegenwärtig. Aber kaum in der neuen Welt angekommen, macht sie sich mit heiliger Hartnäckigkeit an die Umsetzung ihrer Vision. Alejandro Gomez Monteverde dreht das Leben der wahren Francesca Ca- brini, die in den USA eine großartige Infrastruktur mit zahllosen Schulen,
Kranken- und Waisenhäuser aufbauen konnte, als filmgewordenen Heiligenschein - was sich in den üppigen 142 Minuten als recht anstrengend erweist.. 142' Schloßtheater
Dangerous Animals
(jonny) Die Surferin Zephyr genießt die Freiheit des Ozeans, bis sie auf Tu- cker trifft, einen scheinbar hilfsbereiten Fremden. Doch statt Rettung er- wartet sie Gefangenschaft: Auf seinem einsamen Boot, umgeben von Haien, zwingt er sie in ein perverses Spiel aus Angst, Kontrolle und Über- lebenswillen. Tucker filmt seine grausamen Experimente mit einer alten VHS-Kamera, während Zephyr verzweifelt nach einem Ausweg sucht – zwischen endloser See, der ständigen Bedrohung durch Haie und der Un- berechenbarkeit ihres Entführers. Regisseur Sean Byrne verbindet klaus- trophobischen Survival-Thriller mit bissigem Hai-Horror. Das Drehbuch schwankt zwar zwischen Ernsthaftigkeit und Genre-Kitsch, doch dank der starken Hauptdarsteller gelingt Byrne mit "Dangerous Animals" ein atmo-
sphärisch packender Horrorfilm. 100' Cineplex

