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Kinokritiken
   Zweigstelle
( jonny) Was geschieht nach dem Tod? Dieser elementaren Frage geht Julius Grimm in seinem Debütfilm auf originelle Weise nach. Nachdem Resi und ihre Clique bei einem tragi- schen Unfall verunglückt sind, landen sie in einer vom deutschen Verwaltungsapparat inspirierten Behörde. Dort müssen sie erläutern, nach welchem Glauben sie ihr irdi- sches Leben verbracht haben. Denn danach wird entschieden, in welches Jenseits sie geschickt werden: ins große Nichts, den Himmel, die Hölle oder doch zur Reinkarnation? Die Frage bringt einige der Freunde sichtlich in Erklärungsnot. Die uniforme, staubtrockene Büroäs- thetik, in der überkorrekte Beamte eine der größten Menschheitsfragen abhandeln, ergibt eine raffinierte Mischung aus Wes Anderson und Kafka. In der zweiten Hälfte geht "Zweigstelle" leider die erzählerische Puste aus und bleibt damit selbst ein wenig zwischen Himmel und Büro- kratie hängen. 98' Cineplex
TRON: ARES
(jonny) Kevin Flynn hat mit einer Technologie, die es Menschen ermöglichte, in die Welt des Compu- ters einzutauchen, einst die Welt revolutioniert. Jahrzehnte später träumt der hartherzige Konzernchef Julian Dillinger vom umgekehrten Weg. Mit seiner Technologie kann der Elitesoldat namens Ares als materialisiertes Computerprogramm mit der echten Welt interagieren - allerdings nur maximal 29 Minuten lang. Das Geheimnis, mit dem Ares auch länger in der echten Welt über- leben kann, existiert und wurde einst von Flynn persönlich entdeckt. Heute bewahrt es seine Nachfol- gerin Eve Kim, weshalb Dillinger seine digitale Waffe auf sie ansetzt... Die Fortsetzung zum Kult-Klassiker "Tron" punktet mit einem satten Soundtrack und jeder Menge Bildge- walt. Die aufwändige Inszenierung kann allerdings nicht über die erzäh- lerische Oberflächlichkeit und die fehlende Tiefe der Figuren hinweg- täuschen. ' Cineplex
Kontinental '25
(mex) Der Rumäne Radu Jude ist einer der wichtigen Vertreter des europäischen Kinos. 2021 sorgte Goldener-Bär-Gewinner “Bad Luck Banging or Loony Porn“ für reichlich Gesprächsstoff. 2 Jahre später folgte mit „Erwarte nicht zuviel vom Ende der Welt“ ein Film, bei dem schon der Titel bei einem nicht unwesentli- chen Teil des Publikums für Beunru- higung gesorgt haben dürfte, und nun, bevor der auch in diesem Jahr gedrehte und gerade in Locarno vorgestellte „Dracula“ in unsere Kinos kommt, „Kontinental ´25“. Inspiriert von Rossellinis „Europa ´51“, stellt er uns mit Orsolya eine Frau vor, die nach dem Suizid eines obdachlosen Mannes in ein morali- sches Dilemma stürzt. Orsolya, Gerichtsvollzieherin in Cluj und zur rumänisch-ungarischen Minderheit gehörend, fühlt sich für den Tod des Mannes verantwortlich und sucht fortan Erlösung in verschiedenen Episoden. Ein verzweifeltes Vorhaben mit wenig Aussicht auf Erfolg. Starkes Kino. 109' Cinema



























































































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