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KINOKRITIKEN
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   Chainsaw Man - The Movie: Reze Arc
(jonny) In der filmischen Fortset- zung der erfolgreichen Anime-Serie steht der 16-jährige Denji im Mittel- punkt, der einen Pakt mit einem Dämon schließen musste. Seitdem macht er als eine Art Kettensägen- mann im Dienste des Staates Jagd auf andere Dämonen. Im weiteren Handlungsverlauf trifft er auf die wunderschöne Reze, die sein Herz im Sturm erobert. Was Denji zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Hinter Reze verbirgt sich ebenfalls ein dämonenhaftes Wesen, das ihm buchstäblich das Herz aus dem Leib reißen will... In der ersten Hälfte ist der japanische Megaerfolg eine Art Highschool-Romanze im Anime- Format. In der zweiten Hälfte geht es dann richtig zur Sache. Hier wird tief in die Trickkiste gegriffen und es entfaltet sich ein bombastisches Anime-Spektakel. Für Fans ist das Ganze ohnehin ein Muss, alle anderen dürften bei dem hohen Tempo allerdings Schwierigkeiten haben, dem Geschehen zu folgen. ' Cineplex
Franz K.
(sirk) Agnieszka Hollands lebens- lange Faszination für Kafka schafft einen umfassenden Ansatz, um das Leben des Schriftstellers bis zu seinem frühen Tod darzustellen: Ein Kaleidoskop, dessen Ideen in eine sprunghafte Erzählstruktur gleiten. Dabei werden die Familie (Schwester, Vater Peter Kurth), Part- nerin Milena sowie Fürsprecher Max Brod vorgestellt. Der Zuschau- ende erfährt von Kafkas Hass auf seinen Brotberuf und seiner späteren Erkrankung an Tuberku- lose. Vor allem visuell ist das Biopic ein Augenschmaus: Holland erschafft das Prag der 1920er Jahre neu. Sie versucht zudem, die Zeitli- nien aufzulösen, indem sie die Handlung zwischendurch zu einem zeitgenössischen Kafka-Museum und Merch lenkt. Dies soll zeigen, wie der Autor zum Produkt wird. Ein Werkzeug, mit dem angedeutet wird, was der Film sein möchte: ein Biopic, dessen wackelige Realität und spielerische Psychologie dem Schriftsteller voll entsprochen hätte. 129' Cinema
Springsteen: Deliver Me From Nowhere
(sirk) Scott Cooper, der mit Crazy Heart (2009) über (den fiktiven) Bad Blake ein beeindruckendes Spielfilmdebüt vorgelegt hat, darf einmal mehr die Geschichte eines Musikers in Bilder kleiden und entzieht sich erneut der Hollywood- Formel vom Aufstieg und Fall. Cooper destilliert die zahlreichen Stationen auf nur einen wichtigen Abschnitt im Leben seiner Titelfigur. Bei "Deliver me from nowhere", der auf einem Roman von Warren Zane (2023) basiert, sind dies die Abna- belung vom gewalttätigen Vater, die Depressionen und der kreative Prozess rund um das sehr persön- liche Album "Nebraska". Mit nüch- ternen s/w-Einstellungen blickt Cooper in die Vergangenheit zurück während Jeremy Allen White (The Bear) überzeugend den sensiblen, einzelgängerischen Musiker gibt. Dabei wäre z. B. der Entstehungs- prozess zum Megahit "Born in the U.S.A." gar nicht nötig gewesen. Wirklich greifbar wird der Künstler Springsteen nicht. 120' Cineplex



























































































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