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KINOKRITIKEN
Good Fortune - Ein ganz spezieller Schutzengel
(jonny) Schutzengel Gabriel ist eigentlich dafür zuständig, Menschen, die beim Autofahren auf ihr Handy schauen, vor Unfällen zu bewahren. Doch als er den verzweifelten Arj entdeckt, wittert er seine Chance, zu beweisen, dass er zu Höherem berufen ist. Er möchte Arj, der in seinem Auto schläft und sich mit Minijobs über Wasser hält, zeigen, wie schön sein Leben trotz aller Widrigkeiten ist. Dazu lässt er ihn mit dem stinkrei- chen Jeff tauschen. Doch Gabriels Plan, Arj zu zeigen, dass Geld nicht alle seine Probleme lösen kann, geht gründlich nach hinten los, denn Arj denkt gar nicht daran, in sein altes Leben zurückzukehren. Mit seinem Regiedebüt gelingt Aziz Ansari eine sehr erfrischende Tauschkomödie ganz im Stil der frühen 2000er. Das Setting dient hier aber nicht nur für schnelle Gags, sondern liefert einen realisti- schen Blick auf die verschiedenen Lebensrealitäten ohne zu beschö- nigen oder ins Kitschige abzu- driften. Sehenswert! 99' Cineplex
Ai Weiweis Turandot
(mex) Oper, so Ai Weiwei gleich zu Beginn des Filmes, interessiere ihn nicht besonders und Musik höre er generell auch wenig. Interessante Voraussetzungen eigentlich, das Angebot aus Rom, Giacomo Puccinis letztes Werk am dortigen Teatro dell´Opera zu inszenieren, anzunehmen. Aber schon wenn der Künstler und Menschenrechtler dem verdutzten Ensemble zu Beginn der Proben im Jahre 2018 beichtet, besonders gerne das zu tun, was er nicht beherrsche, wird klar, dass er sehr wohl eine Vorstel- lung davon hat, Puccinis unvoll- endetes Stück in die Gegenwart zu überführen. Regisseur Maxim Dere- vianko begleitet diesen Prozess. Dabei gelingt ihm in knackigen 77 Minuten eine Doku in der wir so einiges über Puccinis Musik, das Innenleben eines Opernhauses, die Motivation der Künstler, existenti- elle Schwierigkeiten in Zeiten von Covid und natürlich über Leben und Arbeit des hoch verehrten und zugleich kontrovers gesehenen Weiwei erfahren. Bravissimo. 81' Schloßtheater
Jane Austen und das Chaos in meinem Leben
(sirk) Hach, Herbst. Farbenvielfalt, Buchmesse, lange Abende. Natür- lich dürfen jetzt das gute Buch und die romantische Komödie nicht fehlen. Im Jahr 2025 bekommt ein Historiker den Friedenspreis des dt. Buchhandels und die romantische Komödie mit dem Titel "Jane Austen..." kommt aus Frankreich. Agathe (britisch-französisch: Camille Rutherford), Anfang 30, klug, hübsch, Single, arbeitet in einer Buchhandlung in Paris und schreibt an einem Roman. Sie gewinnt einen Aufenthalt in der Jane Austen Writers´ Residency in England und muss sich neben einigen Traumata – na klar - irgend- wann auch etlichen Liebeswirren stellen. Sprachbarrieren gibt es nicht, dafür aber knisternde Kamin- feuer und etliche Jane-Austen- Zitate. Ein Spielfilmdebüt der Fran- zösin Laura Piani (selbst Bibliothe- karin), kein Meisterwerk aber mit etlichen Hach-wie-schön- Momenten. 99' Schloßtheater

