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KINOKRITIKEN
na dann... 02/26
Silent Night, Deadly Night
(jonny) Weihnachtszeit! Für viele Menschen ist dies die schönste Zeit des Jahres – für Billy jedoch wahr- scheinlich die schrecklichste. Als Kind musste er mit ansehen, wie ein unbekannter Killer im Weih- nachtsmannkostüm in sein Zuhau- se einbrach und seine Eltern ermor- dete. Anstatt sein Trauma zu verar- beiten, zieht Billy zur Weihnachtszeit durch immer neue Kleinstädte und tötet diejenigen, die seiner Ansicht nach nicht „ar- tig” waren, auf brutale Weise. Für das zweite Remake des Horror-Klas- sikers aus dem Jahr 1984 bringt Re- gisseur Mike P. Nelson alle ikoni- schen Kills zurück auf die Kinolein- wand, trotzdem ist die Handlung eine bewusst freie Neuinterpretati- on des Originals. Diese Mischung aus Wiedererkennungswert und neuen erzählerischen Ideen macht den Film besonders unterhaltsam und sorgt dafür, dass auch Kenner des Klassikers bis zum Ende ge- spannt bleiben. 97'
Bibi Blocksberg - Das große Hexen- treffen
(bouda) Die Neustädter Nach- wuchshexe Bibi ist ganz aus dem Häuschen: Der große Hexenkon- gress findet in diesem Jahr auf dem Blocksberg bei Neustadt! Klar, dass sie zusammen mit Schubia und Flauipaui als Helferin mit dabei sein will. Doch kaum sind die ersten Hexen gelandet, bringt Bibi vor Ort einiges durcheinander. Insgesamt erweist sich der Film als liebevoll ausgestatteter und überwiegend stimmiger Beitrag zum Jubiläum, der visuell wie akustisch überzeugt, rasant, modern und dennoch kind- gerecht. Der Film gelingt es, eine solide Balance zwischen Nostalgie und zeitgemäßer Neuinterpretation zu finden und Bibis Welt für alte wie neue Fans lebendig zu halten. Ein idealer Film für die ganze Fami- lie. 89'
Der Held vom Bahnhof Friedrich- straße
(mex) Bahnhof Friedrichstraße, die Schnittstelle zwischen den S-Bahn- Netzen der konkurrierenden deut- schen Staaten. Wenn eine Weiche von Ost nach West verstellt werden konnte, dann wohl hier. So gesche- hen 1984, zumindest in der Roman- vorlage Maxim Leos. Die folgende Massenflucht wurde von der DDR unter den Teppich gekehrt, in Ge- samtdeutschland schnell verges- sen. Bis ein zwielichtiger Journalist bei einer Recherche zum Anlass der 30jährigen Mauerfalljubiläums auf die Geschichte stößt und auch gleich den dazugehörigen Helden ausgräbt. Micha, inzwischen schluf- figer Besitzer einer Videothek, kennt natürlich die ganze Wahrheit und die eignet sich eigentlich gar nicht als Heldengeschichte. Doch Micha ist pleite, der Zeitungsmann winkt heftig mit Geld, da lässt man schon mal fünfe gerade sein. Die daraus erwachsene Dynamik je- doch bringt dann noch einmal (wenn auch nicht immer ganz so frischen) Wind in die Ost-West-Ge- schichte. 114'

