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KINOKRITIKEN
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Romeria - Das Tagebuch meiner Mutter
(sirk) In ihrem semiautobiografi- schen Rückblick verwebt Carla Simón Erinnerung und Verlust zu einem visuell betörenden Coming- of-Age-Porträt. Die 18-jährige Wai- se Marina (Llúcia Garcia) reist nach Vigo, um die Anerkennung ihrer wohlhabenden, konservativen Ver- wandtschaft zu erkämpfen. Ihr ver- storbener Vater war drogensüchtig, die Eltern nicht verheiratet – ein Makel, den die Familie totschwei- gen will. Bewaffnet mit dem Tage- buch ihrer Mutter und einer Video- kamera, sucht Marina nach der Wahrheit hinter den Familienge- schichten. Simón inszeniert diesen Prozess meditativ und traumartig. Sie lässt die Toten wie einen ver- träumten Nachhall durch die strah- lend blaue Küstenszenerie gleiten. Getragen von Garcias fesselnder Präsenz, die eine überzeugende Leere ausstrahlt, ist der Film weit mehr als ein Familiendrama: Es ist eine intime, emotional unmittelba- re Studie über die Rekonstruktion der eigenen Existenz. 112'
Siri Hustvedt - Dance Around the Self
(mex) Während Siri Hustvedts Erin- nerungen („Ghost Stories“) an ihr Leben mit dem 2024 verstorbenen Paul Auster die Bestsellerlisten stürmen, kommt nun zeitgleich Sa- bine Lidls Dokumentarfilm über die amerikanische Schriftstellerin in die Kinos. Und was für ein Glücksfall, dieser Frau in konzentrierten 110 Minuten ungefiltert zuhören zu können. Unter Lidls dezenter Regie nimmt uns die Autorin, zugleich ei- ne außergewöhnlich begabte Zeichnerin, mit in ihre Welt und ge- währt Einblicke in verschiedene Fa- cetten ihrer Arbeit - und das zu ei- nem Zeitpunkt, in dem die Krank- heit und der spätere Tod ihres Mannes Paul Auster einen unend- lich schmerzvollen Einschnitt für die heute 71-jährige Künstlerin be- deuten. Sabine Lidl gelingt ein be- eindruckend vielschichtiges Portrait der großen Dichter- und Denkerin, erweitert den Horizont der Betrachter*innen und ermöglicht berührende Perspektiven auf kom- plexe Gefühlswelten. Must-see-mo- vie. 115'
Alpha (dir. Ducournau)
(sirk) Nach ihrem Triumph und Can- nes-Gewinn für "Titane" möchte Ju- lia Ducournau in ihrem dritten Spielfilm das AIDS-Stigma der 90er aufarbeiten – ein Projekt, das künstlerisch jedoch als missglück- tes Body Horror-Lehrstück zwischen alle Stühle fällt. Ein Tattoo mit 13 - und mit Folgen. Stellenweise wirkt das Jugend-Endzeit-Drama wie ein After-School-Special unter der Regie von David Cronenberg: Die Meta- phern sind überzeichnet, die Moral plakativ. Ducournau lässt ihre titel- gebende Protagonistin nicht dahin- siechen, sie lässt sie zu Stein wer- den. Zahlreiche Kamera-Spielereien werden aneinandergereiht. Einzig in der zerbrechlichen Beziehung zwischen Alpha und ihrer Mutter blitzt jene Empathie auf, die Du- cournau im restlichen Montage-Ge- witter allerdings aus den Augen verliert. Ein durch und durch kör- perliches Erlebnis, dem ein kohä- rentes Fundament fehlt. Viel Lärm um nichts. 128'

