Page 5 - na dann 33/26
P. 5
na dann... 33/26
KINOKRITIKEN
5
Der perfekte Schein: Gelun- genes französisches Porträt eines Außenseiters
(sirk) Die Geschichte des Geld- fälschers Ceslaw Bojarski (1912–2003) ist so absurd wie wahr: Fast 15 Jahre lang produ- zierte der in Frankreich lebende Pole Falschgeld, täuschend ech- te Blüten. Als "Cézanne des Falschgelds" agierte der akribi- sche Handwerker im Verborge- nen – unbemerkt von Familie wie Ermittlern, die hinter den Noten ein großes Syndikat ver- muteten. Regisseur Jean-Paul Salomé und sein Autor Bastien Daret machen aus dem Stoff ein packendes Stück Kino. Der Film erzählt versiert und zeichnet Bojarskis Motive – etwa den All- tagsrassismus der 1950er-Jahre, der ihm eine Karriere als Erfin- der verwehrte – überzeugend nach. Das Gelingen verdankt der Film vor allem Hauptdar- steller Reda Kateb. Dass die Ehe- frau blass bleibt und die spätere Ehekrise trotz Robert Bresson- Hommage etwas flach ausfällt, ist zu verschmerzen. Ein rund- um gelungenes Porträt eines faszinierenden Außenseiters. 129'
(sirk) Ein Mann steht auf ei- nem Tisch in einem Festsaal und erzählt eine Geschichte. Das ist die Klammer, die Christopher Nolan zu Beginn setzt und nach beeindrucken- den 172 Minuten schließt. Sei- ne „Odyssee“ ist ein bildge- waltiges Epos, das Zeitstruk- turen virtuos wie ein Kartendeck mischt. Nolan nimmt sich radikale künstleri- sche Freiheiten, verwebt Ho- mer mit Vergil und besetzt die antiken Helden bewusst di- vers – ein egalitärer Ansatz, der an Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ oder Ridley Scotts „Gladiator“ erinnert und den Mythos uni- versell macht. Statt auf leblo- se Digitaleffekte setzt Nolan auf wuchtige analoge Kinoma- gie, die den Dreck, das Blut und die Hitze des Krieges physisch spürbar macht. Sei- ne Figuren bleiben vielschich- tig und ambivalent; es gibt keine einfachen Antworten. Ein komplexes, mutiges und zutiefst humanes Meister- werk.
172 min
111'
Amore und Basta!
(mex) Das erste Kennenlernen gerät voll daneben. Immerhin wird Alessandra und Valerio di- rekt klar, dass sie so gar nicht auf einer Linie liegen, zumin- dest jenseits der sexuellen At- traktion. Denn eh sie sich verse- hen landen die beiden im Bett - er der traditionsbewusste Chau- vi, sie die freiheitsliebende Fe- ministin. Sachen passieren. Als sich aber am Tag danach her- ausstellt, dass Valerio der Direk- tor der Schule ist, an der Ales- sandra ihren neuen Job als Leh- rerin beginnt, wird die Angelegenheit komplizierter. Erst recht, nachdem Alessandra schwanger wird... Regisseur Massimiliano Bruno inszeniert den Clash der Lebensentwürfe als temporeiche Komödie, die neben dem Auf und Ab im Lie- besleben unseres Paares auch die Problematik tradierter Ge- schlechterrollen und Machtver- hältnisse thematisiert. Die mär- chenhafte Auflösung des Tohowabohus, sowie die steile Lernkurve der Protagonisten sorgen für sympathisches Feel- Good-Kino.. 109'

