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PRESSEAUSWEIS
Radfahren auf der Fahrbahn
Die jahrzehntelange Förderung des Fahrrad- verkehrs war überaus erfolgreich: 47 % aller täglichen Wege der Münsteraner Bevölkerung werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. An vielen Stellen werden die Radwege inzwi- schen zu eng.
Das ist für die Hammer Straße der Fall. An jeder Einmündung einer Querstraße werden Fahrradfahrer und Fußgänger durch das blau- weiße Verkehrszeichen 241 daran erinnert, auf den ihnen zugewiesenen Wegen zu blei- ben. Aber die Radwege an der Hammer Straße zwischen Ludgerikreisel und der Einmündung der Geiststraße sind für den intensiven Fahr- radverkehr deutlich zu eng. Beim Überholen läßt sich der Mindestabstand nirgendwo ein- halten. Immer wieder kommt es zu gefährli- chen Situationen, wenn die Türen der direkt neben dem Radweg geparkten Autos unacht- sam geöffnet werden.
„Fahrradfahren auf der Fahrbahn erlaubt“ – dieses gelb-schwarze Schild erlaubt in man- chen Straßen die Fahrbahnbenutzung, auch wenn der Radweg wie z. B. am Duesbergweg oder am Sentmaringer Weg völlig ausreichend ist, um den Fahrradverkehr problemlos aufzu- nehmen. Allerdings fühlen sich viele Fahrrad- fahrer unsicher, auf die Fahrbahn zu wechseln, wenn sie dort vor allem als Hindernis für deut- lich schneller fahrende Autos wahrgenommen werden.
E-Bikes und Lastenräder haben das Fahrrad- fahren noch attraktiver gemacht und lassen darauf hoffen, dass die Münsteraner in Zukunft noch mehr Fahrten mit den Fahrrad statt mit dem Auto zurücklegen. Die Stadt
sollte diese Entwicklung fördern und Nägel mit Köpfen machen. Es ist Zeit für einen Grundsatzbeschluss des Rates, mit dem der Verwaltung die notwendigen Vorgaben gemacht werden:
– Mit Ausnahme der Hauptverkehrsstraßen wie dem 2. Tangentenring oder den großen Einfallsstraßen gilt überall in Münster Tempo 30. (Keine Sorge: mit dem Auto schafft man im Stadtverkehr wegen Stau und Ampeln sowieso selten mehr als 25 km/h.)
– In den Straßen mit Tempo 30 wird die Benutzungspflicht für Radwege aufgehoben. Die Geschwindigkeiten einander anpassen – dann klappt es auch mit der gemeinsamen
Fahrbahnnutzung. Und das alles ohne zusätz- liche Kosten, wie jetzt im Hansaviertel. Dort hat die Stadt 95.000 € dafür ausgegeben, um 500 Quadratmeter Kopfsteinpflaster abzu- schleifen, um die Fahrbahn für Radfahrer ebe- ner zu machen. Ein optisches und städtebauli- ches Desaster. Ja, man wird durchgerüttelt, wenn man mit dem Fahrrad über den Prinzi- palmarkt fährt. Aber je langsamer, desto weni- ger. Und die Fußgänger freuen sich, dass dies- mal die Fahrradfahrer ihre Geschwindigkeit anpassen.
Ruprecht Polenz rp@nadann.de

