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KINOKRITIKEN
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Hiddensee: Sehenswertes Porträt einer Insel.
(sirk) Autofrei, idyllisch und knallhart geschichtsträchtig: Annekatrin Hendels Doku nimmt das kleine titelgebende Ostsee-Eiland als Brennglas deutscher Historie unter die Lu- pe. Im stylischen Schwarz-Weiß hüpft der Essay-Film durch ein Jahrhundert voller Kontraste. Ob der frühe Antisemitismus der 1920er, das Anbiedern von Nobelpreisträger Hauptmann mit Nazistatisten oder flüchten- de Stummfilm-Diven – Idylle geht anders. In der DDR trafen Staatskünstlerinnen wie Inge Keller auf seltsame Aussteiger rund um die spätere Rammstein-Riege (Flake Lorenz liefert gar den Soundtrack!). Da- zwischen: Schauspiel-Divas als Puppen und Grenzbeamte, die man austrickste. Sogar in der Gegenwart gibt es keine Ruhe: Bürgermeister und Pfarrer foch- ten wie Don Camillo und Peppo- ne eine scharfe Insel-Fehde aus. Alles in allem ein sehenswertes vielschichtiges Porträt zwischen Bohème, Polit-Drama und klein- städtischer Posse. 119'
Insidious: Out of the Fur- ther: Das "Fast and Furious" der Horrorfilme.
(jonny) Die alleinerziehende Zahnärztin Gemma zieht ihre neunjährige Tochter Maya in je- nem Haus in Pittsburgh groß, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Als sich dort unheimliche Vorfälle häufen, entdeckt sie ei- ne beunruhigende Gabe: Gemma kann ins Jenseits rei- sen, jene Zwischenwelt verlore- ner Seelen, und von dort Wesen zurück in die reale Welt holen. Genau darauf haben die Dämo- nen gewartet. Sie erkennen ihre Fähigkeit und machen das Dies- seits zu ihrem Spielplatz. Bei- stand erhält Gemma vom Medi- um Elise Rainier, das ihr aus dem Totenreich zur Seite steht... Während das Horror-Genre boomt und viele originelle Ideen an den Kinokasssen erfolgriech sind geht die Insidious-Reihe ei- nen anderen Weg und bleibt beim Wohlbewährten. Jacob Chase kann dabei nur vereinzelt neue Akzente setzen, ansonsten wirkt die Reihe auserzählt. 106'
Teenage Sex and Death at Camp Miasma: Intelligentes Horror-Kino mit vielen Meta- Ebenen.
(jonny) Die queere Nachwuchs- regisseurin Kris hat in Sundance einen Achtungserfolg gelandet und bekommt daraufhin ein zweifelhaftes Angebot: Sie soll die abgewirtschaftete Slasher- Reihe "Camp Miasma" wieder- beleben, die beim Publikum längst verschlissen ist. Für den Reboot sucht Kris die legendäre Hauptdarstellerin des Originals auf. Billy Preston hat sich vor Jahrzehnten aus der Öffentlich- keit zurückgezogen und lebt in- zwischen in den verfallenen Ku- lissen des alten Drehorts. Kris überredet sie zur Rückkehr vor die Kamera, doch je näher sich die beiden Frauen kommen, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Dreharbei- ten, Erinnerung und blutiger Wirklichkeit... Jane Schoenbrun gelingt ein Horror-Slasher im Ar- thouse-Gewand mit viel Augen- zwinkerni. Der Meta-Horror ist komisch, atmosphärisch dicht und unheimlich clever. 112'

