Page 5 - na dann 36/26
P. 5
na dann... 36/26
KINOKRITIKEN
5
Spaziergang nach Syrakus: Etwas beliebiges Fluchtdrama mit Charly Hübner.
(sirk) Reisen, wohin du willst: Für uns eine Selbstverständlich- keit, für DDR-Bürger unmöglich. Das erfährt auch der freiheits- liebende Kellner Paul Gombitz. Eigentlich wollte er Literatur und Philosophie studieren – ver- boten. Ein selbstbestimmtes Le- ben? Nicht vorgesehen. Weil Paul seinen Traum von Italien aber nicht nur träumen, son- dern leben möchte, lässt er sich nicht mürbe machen. Nach zahllosen abgelehnten Reisean- trägen plant er im Verborgenen die Flucht über die Ostsee. Re- gisseur Lars Jessen bedient sich für sein Fluchtdrama frei an F.C. Delius’ Erzählung "Der Spazier- gang von Rostock nach Syrakus" (1995), die auf einer wahren Be- gebenheit sowie Johann Gott- fried Seumes Reisebericht von 1803 basiert. Charly Hübner verkörpert Paul gewohnt char- mant und sturköpfig. Warum ausgerechnet dieses eine Ver- langen ihn durch alle Repressa- lien treibt, bleibt bis zum Ende allerdings etwas beliebig. 98'
Hiddensee: Sehenswertes Porträt einer Insel.
(sirk) Autofrei, idyllisch und knallhart geschichtsträchtig: Annekatrin Hendels Doku nimmt das kleine titelgebende Ostsee-Eiland als Brennglas deutscher Historie unter die Lu- pe. Im stylischen Schwarz-Weiß hüpft der Essay-Film durch ein Jahrhundert voller Kontraste. Ob der frühe Antisemitismus der 1920er, das Anbiedern von Nobelpreisträger Hauptmann mit Nazistatisten oder flüchten- de Stummfilm-Diven – Idylle geht anders. In der DDR trafen Staatskünstlerinnen wie Inge Keller auf seltsame Aussteiger rund um die spätere Rammstein-Riege (Flake Lorenz liefert gar den Soundtrack!). Da- zwischen: Schauspiel-Divas als Puppen und Grenzbeamte, die man austrickste. Sogar in der Gegenwart gibt es keine Ruhe: Bürgermeister und Pfarrer foch- ten wie Don Camillo und Peppo- ne eine scharfe Insel-Fehde aus. Alles in allem ein sehenswertes vielschichtiges Porträt zwischen Bohème, Polit-Drama und klein- städtischer Posse. 119'
Insidious: Out of the Fur- ther: Das "Fast and Furious" der Horrorfilme.
( jonny) Die alleinerziehende Zahnärztin Gemma zieht ihre neunjährige Tochter Maya in je- nem Haus in Pittsburgh groß, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Als sich dort unheimliche Vorfälle häufen, entdeckt sie ei- ne beunruhigende Gabe: Gemma kann ins Jenseits rei- sen, jene Zwischenwelt verlore- ner Seelen, und von dort Wesen zurück in die reale Welt holen. Genau darauf haben die Dämo- nen gewartet. Sie erkennen ihre Fähigkeit und machen das Dies- seits zu ihrem Spielplatz. Bei- stand erhält Gemma vom Medi- um Elise Rainier, das ihr aus dem Totenreich zur Seite steht... Während das Horror-Genre boomt und viele originelle Ideen an den Kinokasssen erfolgriech sind geht die Insidious-Reihe ei- nen anderen Weg und bleibt beim Wohlbewährten. Jacob Chase kann dabei nur vereinzelt neue Akzente setzen, ansonsten wirkt die Reihe auserzählt. 106'

