Alles wird anders

Nach dem Umzug ist vor dem Chaos. Wer kennt das nicht. Aber wer etwas anderes sehen will, der muss das andere tun. Die Kisten stapeln sich im neuen Zuhause. Nicht nur das Email-Postfach ist überflutet. Manche Emails schreien einen förmlich an, wieder andere müssen mehrere Tage unbeantwortet bleiben. Wie und wann antworte ich darauf? Mist, nur noch wenige Stunden bis sich mein neuer Kurs online trifft – zum täglichen Austausch. Gestresst verdrehe ich die Augen.
Dabei sollte der Stress diesmal nicht Zuhause seinen Platz finden, denn ich habe am neuen Ort in weiser Voraussicht den Arbeitsort verlagert – zurück ins Büro. Eine gute, eine wichtige und eine richtige Entscheidung. Wenn man sie denn, wie ich, treffen bzw. fällen kann. Ich habe mich als Dozent oft gefragt, was die Teilnehmer* innen am anderen Ende in ihren Home-Offices machen: Wenn sie auf meine Anweisungen und Vorschläge in dieser schwierigen Zeit reagieren (müssen). Was sind ihre Geschichten? Was haben sie erlebt? In welcher Situation befinden sie sich gerade? Soll ich von meinen privaten Veränderungen berichten? Soll ich mein äußeres Chaos spiegeln? Ja. Sie werden es in meinen Kursen mit den Themen wie zum Beispiel „Online Marketing“, „Digital Competence License“ oder „Fachwissen Social Media“ sowieso (über meine Kanäle) erfahren.

Umzugskartons in der Küche

Mit der Möglichkeit, meinen Arbeitsort in der neuen Stadt wechseln zu können, hat sich mein Horizont erweitert. Ich kann nun direkt die Vorzüge und/oder Nachteile aus Home-Office im Vergleich zum Arbeitsplatz im Institut direkt gegenüberstellen. Und was soll ich sagen? Im Vergleich zum Fremd-Arbeitsplatz kostet Home-Office noch mehr Nerven. Natürlich abhängig von der privaten und familiären Situation und der jeweiligen Umgebung. Im Home-Office brennt dein Gehirn vor Überlastung: Läuft die (technische) Umgebung? Klingelt das Telefon mit den Anfragen von Freundin, Mutter, Freunden, Bank, Meinungsforschung etc.? Die Datenflut und der Daten-Input (Fernsehen, Smartphone, Radio, Nachbarn) sind schier unendlich. Das Gefühl, dass Du die Situation manchmal nicht mehr kontrollieren kannst, nimmt in manchen Stunden überhand. Das sind die Nachteile im Home-Office.

Im eigenen Arbeitsraum im Institut sind die Verlockungen (Fernsehen, Gang zur Nachbarin, Ablenkungen wie Smartphone-Spiele etc.) ausgeblendet. Dort gibt es nur dich, deine Kolleg* innen und deine Arbeit. Das Corona-Virus hat zwar vieles verschlossen. Aber es hat auch die Augen geöffnet. Denn in der Krise sieht und sah man plötzlich klar(er). Was braucht man wirklich? Was ist einem wichtig? In einem Tempo, das bislang unvorstellbar war, veränder(te)n sich Ansichten und Überzeugungen. Niemand diskutierte plötzlich noch über den Sinn von Verboten in unserer liberalen Gesellschaft. Das Home-Office MUSSTE funktionieren. Plötzlich hat jeder einzelne seinen eigenen Pandemieplan gemacht.

PC-Arbeitsumgebung im Büro

Mit den Lockerungen, in meinem Fall mit der (wieder möglichen) Wahl des Arbeitsplatzes, bin ich froh um die Erkenntnisse, die mir die Corona-Verbannung gebracht hat. Das Home-Office habe ich gemeistert. Aber auf Dauer bin ich wohl eher der Typ, der die räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatem braucht. Ich habe mich in vielerlei Hinsicht neu aufgestellt. Habe meine Prioritäten neu geordnet. Und bis jetzt fühlt es sich gut an. Was sicherlich auch an den netten neuen Kollegen, an dem eigenen (klimatisierten) Büro, an der räumlichen Trennung zwischen Arbeit und Privatem sowie dem erfrischenden täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad liegt. Ein wenig Sport vor der Arbeit kann so erfrischend sein. Das habe ich lange unterschätzt. So wie den Austausch mit den Kolleg*innen einen Raum weiter. Und ist der Kopf erst neu sortiert, arbeitet es sich gänzlich ungeniert. Auf zu neuen Aufgaben! Ich kann es kaum abwarten.

----------------------------------------------------------------------

Christian Gertz
ist 49 Jahre alt, er arbeitet seit 1996 bei der na dann … und ist Kommunikationsmanager
christian@nadann.de

Autor: Chrise

Archivtexte Weiterbildung aus dem Home-Office

ChriseChrise

Weitere Beiträge 2020