Von Günter, 28.02.2024

JASPER SOMSEN, ENRICO PIERANUNZI, GABRIELE MIRABASSI/ FABIO GOUEVA/ FAADA FREDDY/ MOONEYE/ KNUT REIERSRUD/ CANBERK ULAS

Haribo würde diese Seite vermutlich Colorado nennen. Jede Woche eine bunte Mischung. Zuerst ein wenig Jazz. JASPER SOMSEN, ENRICO PIERANUNZI, GABRIELE MIRABASSI. Schon lange und erfolgreich unterwegs nennen ihr gemeinsames Album „Traveller‘s Ways“. Mit Bass, Piano und Klarinette erkunden sie zusammen neues Terrain, hören einander sehr genau zu und ‚dekorieren‘ die Ideen des/der anderen mit ihren Tönen. Wieviel davon komponiert ist oder nicht, kann ich nicht heraushören, jedenfalls bleiben sie auf kurzen Ausflügen immer im Dienst des melodischen Flusses. Sehr entspannend.

Gitarrist FABIO GOUVEA spielt zusätzlich Flöte, für sein „Desvio“ umgibt er sich mit den Musiker-Kollegen Jorge Rossy am Vibrafon, Charly Rose an Sax und Klarinette, Thiago Alves am Bass und Paulo Almeida als Perkussionisten. Sie erschaffen eine extra luftige und rhythmisch vielseitige Mixtur aus diversen brasilianischen Zutaten. Verlieren sich nicht im sanften Bossa, vermengen lieber komplexe Strukturen mit fliessenden Melodien, vergessen dabei allerdings den Faktor Jazz keinesfalls. Komplett akustisch aufgeführte Musik hat einen ganz eigenen Reiz.

Faada Freddy– Funky ohne Instrumente!

Die nächste ist vielleicht nicht nur akustisch, dafür aber ganz ohne Instrumente. Neu ist die Idee Musik nur mit Geräuschen und Klängen, die mit dem menschlichen Körper erzeugt werden nicht, (höre auch Al Jarreau (früh), Laurie Anderson, Fat Boys), FAADA FREDDY gestaltet sein „Golden Cages“ auf diese Weise. Vokal-Bass und Body-Perkussion schaffen die funky Basis, Gaststimmen, einzeln und als Chor runden die Geschichte ab. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Soul oder Funk ohne Bläser-Riffs, Slap-Bass und oder Nile Rodgers Gitarre funktionieren soll. Tut sie! Faszinierend vielseitiger Sänger, rhythmisch alles auf den Punkt und etwas Afrika schwingt ebenfalls mit.

Mooneye – Indie Version von Rumous?

Klar, Name Dropping ist keine erschöpfende Auskunft. Aber für MOONEYE’s „Come with me an Hide“ wähle ich diesen Weg. Die sanfteren Songs erinnern an Distance, Light & Sky, trotz vollständiger Band entsprechend sparsam arrangiert, etwas Melancholie mit

Americana Touch, dazu der Wechselgesang Mann/Frau und ohne technische Tricks produziert. Wenn etwas mehr Tempo und Band auftauchen klingen sie für mich, wie die Indie Version von Fleetwood Mac’s ‚Rumours‘. Ja, ist hoch gegriffen, aber die Songs haben Inhalt und Emotion, sind handwerklich ohne Kapriolen umgesetzt, klar und geradeheraus. Dicke Empfehlung, besonders als Vinyl Fetisch!

Knut Reiersrud – Gitarre gefällig?

Und nochmal goldenes Handwerk. KNUT REIERSRUD, langjähriger ‚Hausgitarrist‘ des norwegischen ‚Kirkelig Kulturverksted‘ Studios, erfreut alle Saiten Fans mit seinem „Antropomorfi“. In 8 Titeln mit seiner aktuellen Band (Keys, 2.g,b,dr) gibt er einen kleinen Anschauungsunterricht über Gitarren-Stile. Von Jazz inspirierten Tonfolgen über Slide Melodien (frei nach Peter Green) zu Cooder, Vaughan und wen immer gut trainierte Ohren noch heraushören können. Nicht als Kopie, sondern in sanfter oder rockender Eigenvariante. Jeder Titel einem Tier gewidmet, das in Norwegen Schlagzeilen gemacht hat und bis auf einen Song instrumental. Dazu noch live aufgenommen im Studio auf Analog-Tape. Entsprechend auch als LP!

Zum Finale wieder eine für die Zeit zwischen Tag und Traum. CANBERK ULAS musiziert fast im Alleingang. Electronics, Tasteninstrumente, Sampling, am auffälligsten jedoch die armenische Flöte Duduk, die auf „Echoes of Becoming“ die Stimmung dominiert. Getragene Melodien, auf einzelnen Titeln mit renommierten Gästen des Jazzland Labels (u.a. Henriksen, Aarset, Wesseltoft) gewürzt und Spoken Word Einlagen auf 2 Titeln, die das ambiente Klangbild vervollständigen. Nicht zu verwechseln mit den ‚selbst gemachten‘ Meditations CDs für ‘n 5er, dies ist eine faszinierend entspannende Reise nach innen.

Archivtexte Ohrenschmauch