Von Günter

TALLEST MAN ON EARTH/ SHIRLEY NANETTE/ BELLS LARSEN/ FINK/ JACK McDUFF/ BETH ORTON/ PHARIS & JASON ROMERO/ MAIK KRAHL QUARTET/ HAYDETANZ/ CEDRIC HANRIOT/ JENNIFER HARTSWICK/ RUBEN BLOCK/ JULIE DRISCOLL, BRIAN AUGER & THE TRINITY

Heute wird genölt. Krieg ist kein Fussballspiel, also berichtet auch nicht so darüber. An alle MusikerInnen, Verlage, Labels, Vertriebe: Lebt Ihr schon im Endgame des physischen Tonträgers? Oder warum schwemmt Ihr den Markt derart, dass auch eine pedantisch durchgehaltene Work-Life-Balance nicht genug Freizeit schafft, all die durchaus interessanten Neuerscheinungen zu hören. Damit schon Platz für ein Produkt vergeigt!

Der TALLEST MAN ON EARTH hat sein Cover-Album fertig. Spröde, romantisch, schön; heisst „Too late for Edelweiss“ und enthält sicher keinen Titel, der schon irgendwo ‚totgedudelt‘ wurde. Mit sicherer Hand ausgewählt!

SHIRLEY NANETTE’s „Never coming back“ wurde bereits in den frühen 70ern eingespielt. Soul-Sängerin mit leichtem Einschlag Jazz, nicht Retro, sondern original alt. Zu Unrecht verschollene Perle.

BELLS LARSEN verarbeitet auf „Good Grief“ seine/ihre vergangenen oder verlorene Lieben. Überwiegend allein mit Gitarre und entsprechend emotional intoniert kocht das sanfte Gemüt nur manchmal auf und lässt die Band etwas Krach machen. Gut nachvollziehbare Gefühlslage.

FreundInnen der anders formulierten deutschen Sprache können sich freuen auf das neu erhältliche gesamte Schaffen der Hamburger Combo FINK. „Ne Menge Leute“ enthält alle 6 Alben der Band, die ersten beiden davon erstmalig auf Vinyl. Sowohl alle zusammen in einer Box, als auch einzeln, noch dazu in Farbe!

Der erste Tipp für ‚Oldies‘ heute ist die Doppel CD/3er LP des Hammond Piloten JACK McDUFF und seinem Quartett. „Live at Parnell’s“, bereits 1982 aufgenommen, jetzt restauriert und Premiere auf Tonträger.

Beth Orton – Elektronisch, melancholisch

Mein persönlicher Favorit in dieser Woche ist das neue Werk von BETH ORTON. „Weather alive“ kommt mit 8 neuen, zum Teil sehr langen, Tracks daher. Wie gewohnt in diversen Stimmlagen gesungen, mit auffälligem Einsatz elektronischer Klänge und im Gesamteindruck eher melancholisch. Erinnert mich sehr positiv an die frühen The Blue Nile. Nicht skippen, lieber irgendeinen Titel, den aber ganz, hören!

Auf von ihm selbst gefertigten Banjos lassen PHARIS & JASON ROMERO dieses ur-amerikanische Instrument erklingen, eigene Songs und solche aus der Überlieferung, in mindestens 8 unterschiedlichen Varianten und Klangcharakteristiken und diversen Stimmungen. Für Banjo Nerds.

Das MAIK KRAHL QUARTET improvisiert sich auf „In-between Flow“ durch 9 Eigenkompositionen des Trompeters mit dem weichen Ton. Die Band ist gut darauf eingestellt und wird auf 3 Titeln mit den flinken Fingern von Kurt Rosenwinkel auf der Gitarre verstärkt.

HAYDETANZ mischen auf deren „The Journey“ New Orleans Brass Motive mit balkanischen Tempi und ergänzen das Gebläse mit Bouzouki und Keyboard. Mit ordentlich Schwung die Strasse entlang!

Mit Fusion Jazz aus komplexen Riffs und genauso schwer zu erfassenden Rhythmen glänzt Keyboarder CEDRIC HANRIOT auf „Time is the Color“. Von E-Bass und Drums unterstützt geht auf dieser CD nichts geradeaus.

Jennifer Hartswick – Keine Scheu!

Auffällige Stimme und virtuoses Trompetenspiel zeigt JENNIFER HARTSWICK auf „Something in the Water“ und legt sich auf nichts fest. Jazz, Funk, Blues, Brass ist alles ihr Ding. Track 5, nur Stimme und der Bass von Christian McBride, absolut faszinierend.

Mit Mitchell Froom zusammen hat RUBEN BLOCK, einer der Triggerfinger, sein Looking to Glide“ produziert. Alternativer Rock, nicht so ruppig wie mit seiner Band, aber ganz sicher mit keinem Gedanken an Format Radio Airplay. Vielseitig, vielfältig und mit einem grossen Herz für Details.

Julie Driscoll, Brian Auger – Hammond Meister & Stimmwunder

Far Horizons“, das gesamte Schaffen von JULIE DRISCOLL, BRIAN AUGER AND THE TRINITY. Vier Alben der 60ies auf 5 LP (‚Streetnoise‘=Doppel), auf denen die phänomenale Sängerin zwar nicht auf allen Tracks singt, dafür aber auch fast 50 Jahre später bleibenden Eindruck hinterlässt.

Archivtexte Ohrenschmauch

Günter Günter

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