Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 42 Jahren…

…streikten die Taxifahrer.

Mitten am Wochenende streikte plötzlich Münsters Taxipersonal. Fast drei Stunden fuhr am Freitagabend kein einziges Taxi. Sogar die BILD berichtete anschließend. Was war los?

Münsters Taxigewerbe wurde von der Taxizentrale e.G. bestimmt, einer Genossenschaft von Konzessionsinhabern. Eine Taxikonzession der Stadt kostete ca. 35.000 DM. Wer sich mehrere Konzessionen leisten konnte, fuhr nicht mehr selbst, sondern verpachtete die Lizenzen an selbstständige Fahrer, die zudem teils ihr eigenes Auto stellen mussten.

Diese Sub-Taxifahrer waren strengen internen Vorschriften unterworfen. Wer auf dem Taxifunkkanal über die Arbeitsbedingungen schimpfte, konnte von der Disziplinarstelle mit einer zeitweisen Funksperre belegt werden und bekam dann keine Fahrten mehr.

Dieser „Diszi“(-plinarausschuss) war das Hassobjekt der Fahrer, weil sie willkürliche Bestrafungen beklagten. Über 130 Taxikutscher wählten eine Vertretung und legten der Zentrale eine lange Forderungsliste vor.

In der Folge gründeten unzufriedene Taxilenker ihre eigene unabhängige Taxizentrale, sodass Münster nun zwei verschiedene Dienste mit unterschiedlichen Rufnummern bekam.

Heute kämpft das Taxigewerbe mit Spritpreisen, Verkehrskollaps und On-Demand-Anbietern…

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