Von Günter, 10.07.2024

TIGRAN TATEVOSYAN/ ANDREAS VARADY/ DAVE ALVIN & JIMMIE DALE GILMORE/ MAYTE MARTIN/ WE STILL CAN’T SAY GOODBYE

Für ein Standard besetztes Piano Jazz Trio einen wirklich eigenen Sound zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Persönliche Vorlieben an Stilen der ‚Jetzt-Piano-Generation‘ (Corea, Jarrett, Svensson..), sich an deren Klang und Stimmungen zu orientieren, sicher auch messen, und trotzdem den ganz eigenen Ausdruck suchen, ist TIGRAN TATEVOSYAN mit seinem „Mer tan Itev“ mehr als gelungen. Langjährige klassische Ausbildung, Jazz Studium und nicht zuletzt ‚Live‘ Training in unterschiedlichen Bands und Combos förderten die Umsetzung seiner persönlichen Klangvorstellung. Von lyrisch, beinahe folkloristisch bis fulminant aufdrehend und improvisierend spielt er sich nuancenreich durch sein, bis auf eine Thel. Monk Komposition, selbst geschaffenes Pensum. 4 Titel solo, dazu 7 weitere, in denen die armenische Rhythmusgruppe entsprechend sensibel tragend den passenden Rahmen abgibt.

Ein weiterer New Name ist der Gitarrist ANDREAS VARADY. 25 Jahre alt und trotzdem schon seit mehr als 10 Jahren auf den Jazz Bühnen dieser Welt unterwegs, meist im Trio mit Drums und Piano. Für seinen „Sunrise“ erweitert um Bass und Sax. Auf den 8 Tracks dieser CD erkennt m/f in seinem Spiel einige seiner Orientierungspunkte für die eigene Entwicklung. Fliessende flitzefinger Passagen, Klänge, Einzeltonfolgen und gewiefte Akkord-Begleitung, die er auf seiner halb-akustischen Gitarre auf seine individuelle Weise einsetzt. Diese im Quintett erschaffene Musik ist gewissermassen zeitlos. Basiert weitestgehend auf Sounds und Rhythmen der 60er, der ergänzt wird durch zeitgenössische Brüche und Techniken. Jazz ist leider nicht mehr mehrheitsfähig, da muss m/f ja hinhören.

Dave Alvin & Jimmie Dale Gilmore – Geschichten aus dem Leben

Zwei schon seit langem bekannte ‚Legenden‘ des Americana-Sounds erweitern ihre Zusammenarbeit um ein weiteres Werk. DAVE ALVIN & JIMMIE DALE GILMORE, beide nicht mehr wirklich jung, resümieren auf „Texicali“ ihre Vergangenheit. Erzählen in klar strukturierten, geradlinigen Songs von Erlebnissen und Ereignissen, Erfahrungen und Begegnungen ihrer jahrzehntelangen ‚Ochsen‘-Touren durch die Vereinigten Staaten. Zugegeben ein wenig sentimental, jedoch nicht im Sinne von ‚ich will dahin zurück‘, sondern mehr als ‚aber schön war es doch‘. Sie haben was zu erzählen, ungeschönt, ehrlich und musikalisch perfekt umgesetzt mit viel Akustik und ein wenig Twang und Rock.

Mayte Martin – Starke Stimme, ausgewählte Songs

Als Flamenco und Bolero Sängerin seit langem auf überwiegend europäischen Bühnen unterwegs ist MAYTE MARTIN. Nach mehr als 30 Jahren Karriere legt sie mit „Tatuajes“ eine CD vor, die sich sehr von früheren Werken unterscheidet. 12 ‚Klassiker‘ des nicht nur spanischen ‚Songbooks‘, komponiert von V.Parra über J.M.Serrat zu Vinicius und Jobim bis J. Brel interpretiert sie mit nach wie vor starker Stimme und überzeugendem Ausdruck. Flamenco findet sich hier nur gelegentlich in ihrem Gesangsstil, mehr erwachsener Chanson Vortrag eines Dutzends sehr gut ausgesuchter Lieder.

We still can’t say… – 6 Saiten ohne Ende!

Und noch eine für die Freunde der 6 Saiten. Auf „WE STILL CAN’T SAY GOODBYE“ geben sich eine grosse Anzahl klangvoller Namen der (Country-) Szene (Skaggs, Douglas, Jackson, Paisley und sogar Emmanuel und Clapton) die Ehre ein Tribut Album für Chet Atkins einzuspielen. Als Komponist war der genannte nicht so fleissig, aber seine Art die Gitarre zu spielen und Songs perfekt zu arrangieren hat und tut es noch, Generationen von Gitarristen wenn schon nicht geprägt, dann doch als herausragendes Beispiel für den songdienlichen Einsatz des Instruments beeinflusst. 15 Tracks, die m/f sicher alle schon mal gehört hat, aber nicht so!

Archivtexte Ohrenschmauch

Günter Günter

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