Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor einem Jahr...

…kam der Gebührenrebell in den Knast.

Georg Thiel aus Borken schuldete dem WDR 651,30 Euro Rundfunkgebühr. Der Geringverdiener verweigerte die Zahlung, weil er das Zwangsgebührensystem ablehnt. Schließlich ließ die Sendeanstalt ihre Muskeln spielen: Georg Thiel kam in Erzwingungshaft. Bald war er als „Rundfunk-Rebell“ der prominenteste Häftling in Münsters JVA an der Gartenstraße.

181 Tage Gefangener des WDR

So eine Erzwingungshaft darf in Deutschland nicht länger als ein halbes Jahr andauern – und das saß Thiel vollständig ab: 181 Tage war er im Knast. Unterdessen standen Journalisten vor dem Gefängnis Schlange und Fans schickten ihm tausende Briefe in die Zelle. Bundesweit wurde der Borkener zur Galionsfigur der GEZ-Gegner.

Dabei war eigentlich nicht die ausstehende Forderung der Konfliktgrund, sondern Thiels prinzipielle Weigerung, seine Vermögensverhältnisse offenzulegen. Da viele Medien über den Fall berichteten, der WDR in dieser David-gegen-Goliath-Geschichte aber kaum Sympathien gewann, versuchte die Anstalt, die Schuld an der Eskalation auf die Justiz zu schieben. Der Sender habe auf die Inhaftierung keinen Einfluss gehabt.

Bei Thiels Entlassung warteten Freunde und Unterstützer auf ihn. Dann wurde es still. Seine Haft kostete rund 24.000 Euro. Der Rundfunkbeitrag wurde seitdem von 17,50 auf 18,36 erhöht.

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