Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor einem Jahr...

…tauchten die Flyer auf.

Anfang Mai tauchten an mehreren Stellen, u.a. im öffentlichen Bücherregal am Breul, Flugblätter auf, die zwar professionell gestaltet anmuteten, deren Inhalt aber hochgradig verstörend war:

Der seltsame Flyer

Eine Verschwörung aus Oberbürgermeister Lewe, Stadtdirektor Paal, Jugendamt, der Jugendrichterin Dr. Ph., dem Chef der Alexianer GmbH, der Rechtsanwältin A.-E. und weiteren Beschuldigten soll Gutachten manipuliert haben, um einem misshandelten Kind die Hilfe zu verwehren! Das Kind habe OB Lewe angeblich persönlich einen handgeschriebenen Hilferuf zugesteckt, den dieser „brutal“ ignoriert haben soll. Das Flugblatt zitierte aus dem herzerschütternden Hilferuf („Ihr müsst mich schützen!“) und nannte weitere Verschwörer. Lewe und Paal, so der Text, würden Beweise für die Misshandlung unter Verschluss halten. Von einem „Behörden- und Justizsumpf“ und „behördenübergreifend organisierter Kriminalität“ war die Rede. Da Münster zu dieser Zeit noch akut unter dem Schock des Missbrauchskomplexes von Kinderhaus stand, waren die Anschuldigungen alarmierend.

Der Flyer war keine anonyme Schrift, sondern verwies auf eine Internetseite (die jeoch nicht erreichbar war) und trug ein namentliches Impressum. Das brachte den Urheber vor Gericht: Der verzweifelte Vater aus Hiltrup-Ost hatte sich offenbar psychisch in einem Sorgerechtsstreit aufgerieben, die Anschuldigungen waren absurd. Die bizarre Affäre, bei der viele prominente Namen genannt wurden, verschwand schnell wieder aus der Lokalpresse.

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