Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 62 Jahren…

…ging es um Sekunden!

Nach dem Krieg konnte der Send nicht mehr auf dem damaligen Hindenburgplatz stattfinden, da hier Münsters Trümmerberge aufgetürmt wurden. Erst 1951 waren die Trümmerhaufen geräumt, sodass der Send vom Domplatz vors Schloss zurückkehren konnte.

…13, 14, 15 – huch! Was machen die unterm Verdeck?!

Zehn Jahre später – kurz vor dem Berliner Mauerbau durch das DDR-Regime – gehörte das Volksfest längst wieder zur Münsteraner Folklore. Doch nun erregte ein Fahrgeschäft das Missfallen von Kirchen und Behörden: Die „Amorbahn“ (auch „Raupe“ genannt) schloss während der Fahrt ihr Verdeck über den paarweise sitzenden Fahrgästen. Das zog verknallte (und unverheiratete!) Pärchen an, die so im Dunkeln diskret knutschen konnten.

Um Jugendliche vor dieser sittlichen Zerrüttung zu schützen, verkündete das Ordnungsamt per Bekanntmachung in der Zeitung die „Amorbahn-Vorschrift“. Diese besagte, dass das Verdeck pro Fahrt höchstens 15 Sekunden (!) lang geschlossen werden durfte. Die Einhaltung wurde mit der Stoppuhr kontrolliert. Ein Verstoß hätte den Karussellbetreiber die Lizenz gekostet.

Man kann davon ausgehen, dass sich die moralischen Schädigungen in Grenzen gehalten haben…

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