Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor einem Jahr...

…wurde die Straße zum Labor.

Münsters City wurde nach dem Krieg in den alten mittelalterlichen Maßstäben wieder aufgebaut. Das macht das Wegenetz eigentlich für modernen Straßenverkehr ungeeignet. Allein die rund 90.000 (!) täglichen Berufspendler bringen Münsters Straßen an den Rand des Kollaps. Theoretiker ersinnen gerne ambitionierte Konzepte dagegen. Und die beste Zeit, die Wundermittel auszuprobieren, sind die verkehrsarmen Sommerferien, wenn Studis und Urlauber nicht da sind.

Im vergangenen Jahr wurden gleich drei Patentlösungen getestet, mit unterschiedlicher Wirkung. Geradezu lebensgefährlich war die Idee von der Vorfahrt für Promenaden-Radler an der Kanalstraße. Ein Gewirr von Schildern und Markierungen machte den Bereich zusätzlich unübersichtlich. Zudem war das Ganze unnötig: Münsters Aggro-Radfahrer erzwingen sich die Vorfahrt hier sowieso…

City dichtmachen, dafür Mariendorf planieren?

Einen positiven Effekt zeigte die Sperrung der Hörsterstraße: Ohne parkende Autos sah man nun, dass die Häuserzeile wirklich eine schöne Kulisse ist. Reine Schikane war die Einspurigkeit vor dem Hauptbahnhof: eher ein Voodoo-Fluch ideologischer Autohasser als Problemlösung. In Italien oder Frankreich würden Autofahrer solche Sperenzchen einfach seelenruhig ignorieren.

Münster wer nicht Münster, wenn sich die Politik nicht entschlossen hätte ausgerechnet diese Tortur beizubehalten. Derweil wird die Warendorfer Straße zwischen Kanal und Telgte zu einer Autobahn für freie Fahrt ausgebaut, inkl. Autobahnkreuz an der Mondstraße. Die spinnen, die Planer…

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