Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 141 Jahren...

…erfüllte sich die Vision.

Johann Heinrich Dildrup aus Everswinkel sagte man nach, er habe „das zweite Gesicht“. Im Herbst 1878 erzählte der Dreizehnjährige dem Knecht Vinnenberg und dem Pastor Heising, er habe im Tagtraum einen schwarzen Kutschwagen mit brennenden Laternen über den auf dem Brüggemannskamp fahren gesehen. Auf dem Wagen lag ein Sarg mit der Leiche des Bauern Josef Lütke Deckenbrock und der Wagen wurde von zwei braunen Pferden gezogen, die Deckenbrock gehörten.

Ein Jahr später, am Mitte September 1879 brach Josef Lütke Deckenbrock (36), gemeinsam mit Josef Grosse Erdmann (20), seinem Neffen Wilhelm Schütte (19) und dem Kaufmann Xaver Drolshagen (33) aus Münster um 8.00 morgens zur Rebhuhnjagd auf. Beim Durchqueren einer Hecke blieb Drolshagen mit seiner auf den Rücken geschnallten Flinte im Gestrüpp hängen. Die Zweige spannten die Hähne seiner Doppelflinte, es lösten sich zwei Schüsse und Lütke Deckenbrock brach in den Kopf getroffen zusammen. Er starb vier Stunden später, laut Arztbericht um 12.55 Uhr.

Don’t mess with the Spökenkieker!

Der verständigte Pfarrer erinnerte sich an die unheilvolle Weissagung des Jungen und schickte einen Boten zum Hof Brockhausen nahe der Unfallstelle, mit der Warnung, der Leichenzug solle nicht über den Brüggemannskamp fahren. Zu spät – die Kutsche hatte bereits die Abkürzung über das besagte Feld genommen, tatsächlich gezogen von zwei braunen Pferden aus Deckenbrocks Besitz, genau wie es der Junge ein Jahr zuvor vorhergesehen hatte!

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