Von Carsten Krystofiak, 12.03.2014

In dieser Woche vor 68 Jahren...

begann Galens kurze Kardinalzeit.

Die Nazis planten, Münsters Bischof Galen nach ihrem Sieg auf dem Domplatz öffentlich aufhängen zu lassen. Dazu kam es nicht. Stattdessen wurde Galen zum Kardinal ernannt.

Da der Dom stark zerstört war, musste er seine Antrittsmesse in die Kreuzkirche verlegen, die als einzige Kirche Münsters völlig intakt geblieben war. Nur fünf Tage später starb Galen überraschend! Die Trauerfeierlichkeiten fanden wiederum in der Kreuzkirche statt.
Glockengeläut gab‘s nicht - die Glocken der Kreuzkirche waren 1942 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen worden.

Dafür säumten tausende Münsteraner die Straßen des Kreuzviertels, in dem der Krieg einige Baulücken hinterlassen hatte. Viel Prominenz war außerdem gekommen: Der Kölner Erzbischof, Kardinal Frings, der englische Erzbischof von Westminster, Spitzenvertreter der britischen Besatzungsmacht und zahlreiche Bischöfe aus dem In- und Ausland drängten sich in die Kreuzkirche. Der Papst hatte ein Telegramm nach Münster geschickt, das von der Kanzel verlesen wurde. Ein Gala-Event erster Klasse!

Makabres Doppel-Event in der Kreuzkirche: Erst Pontifikalamt, dann Requiem. Galen war nur für wenige Tage Kardinal.

Als Nachfolger wurde Bischof Keller ernannt, dem Galens Schuhe aber deutlich zu groß waren.
Obwohl er als seltene Auszeichnung vom Papst persönlich empfangen wurde, erreichte er bei den Münsteranern nie das Ansehen des westfälischen Dickschädels Galen.


Makabres Doppel-Event in der Kreuzkirche:
Erst Pontifikalamt, dann Requiem.
Galen war nur für wenige Tage Kardinal.

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